Wirtschaft : Beton statt Aktie

Die Kauflaune der Deutschen steigt. Immobilien sind beliebter als Wertpapiere

Berlin/Nürnberg - Die deutschen Verbraucher lassen sich ihre Kauflaune trotz der andauernden Schuldenkrise nicht verderben. Wie der am Dienstag vorgestellte GfK-Konsumklimaindex ergab, erwarten die Bundesbürger steigende Einkommen, weshalb auch ihre Anschaffungsneigung leicht zulegte. Für November stieg der Index um 0,1 auf 5,3 Punkte und kletterte damit erstmals wieder seit März.

Aus Misstrauen gegenüber den Finanzmärkten und wegen niedriger Zinsen tendieren die Deutschen derzeit dazu, Immobilien oder längerlebige Gebrauchsgüter zu kaufen, anstatt ihr Geld auf dem Finanzmarkt anzulegen – zumal die Zinsen niedrig sind und die Lage am Aktienmarkt unsicher ist, erklärte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das Motto: Lieber ein Haus als ein Aktiendepot.

Zu der guten Stimmung tragen demnach die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt sowie die in Tarifverhandlungen vereinbarten Lohnsteigerungen bei. Nach den Prognosen der Forschungsinstitute soll sich der Beschäftigungsaufbau im nächsten Jahr fortsetzen, wenn auch etwas weniger dynamisch.

Diese Aussichten verringern laut GfK die Angst vor einem Jobverlust und steigern gleichzeitig die Hoffnungen auf weitere Lohnerhöhungen. Prognosen sagen für das nächste Jahr außerdem eine Abschwächung der Inflation voraus, was sich ebenfalls positiv auf die Kaufkraft auswirken wird.

Trotzdem macht sich in der Bevölkerung laut GfK eine Verunsicherung bemerkbar wegen der anhaltenden Diskussion über die Schuldenkrise, eine mögliche Pleite Griechenlands und eventuelle Auswirkungen auf die europäischen Banken. Dementsprechend negativ bewerteten die Deutschen die Aussichten für die Entwicklung der Wirtschaft in den kommenden Monaten. „Die Furcht vor einem Übergreifen der Krise auf die Realwirtschaft in Deutschland lässt die Konjunkturerwartung der Bürger deutlich sinken.“

Zumindest die deutsche Industrie geht jedoch davon aus, im kommenden Jahr rund eine Viertelmillion neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Das sagt eine neue Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Ein großer Teil der neuen Stellen dürften dabei aus der sogenannten „stillen Reserve“ besetzt werden, sagte DIHK-Experte Dirk Schlotböller am Dienstag. Zu der „stillen Reserve“ zählen Personen, die keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung haben – wie zum Beispiel Hausfrauen oder Selbstständige. Trotz des weiter kräftigen Stellenzuwachses rechnet Schlotböller daher 2012 nur mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um 150 000.

Den größten Zuwachs bei der Zahl der Beschäftigten erwartet der DIHK im kommenden Jahr im Bereich Dienstleistungen. Hier soll die Zahl der neuen Stellen um 80 000 steigen. Zudem dürften auch in der Metall- und Elektroindustrie zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen. Hier erwartet der DIHK einen Anstieg um 50 000 neue Stellen. 40 000 neue Jobs sollen im Bereich „Wissensintensive Dienstleister“ geschaffen werden.

Laut DIHK wird es für die Unternehmen zunehmend schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. In der jüngsten Umfrage habe ein Drittel aller Unternehmen über einen Fachkräftemangel geklagt. Dennoch sei zuletzt „kein spürbarer“ Zuzug von ausländischen Fachkräften festgestellt worden. AFP/dpa/rtr

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