Wirtschaft : Betreutes Wohnen in der Platte

Marseille-Kliniken planen neue Standorte im Osten

Carsten Brönstrup

Berlin - Der Krankenhaus- und Heimbetreiber Marseille-Klinken AG will in Ostdeutschland sein Angebot im Bereich betreutes Wohnen für Senioren deutlich ausbauen. „Wir planen, unsere Kapazität in diesem Bereich in den kommenden drei Jahren auf 3000 Betten an sieben Standorten auszubauen“, sagte Vorstandschef Axel Hölzer dem Tagesspiegel. Die Expansion dürfte zu etwa 1000 neuen Arbeitsplätzen führen.

Derzeit unterhält Marseille in Ostdeutschland drei Standorte für betreutes Wohnen – in Halle, Potsdam und Gera. Das Konzept: Ein Investor, mit dem Marseille kooperiert, kauft einen Plattenbau und baut ihn um zum altersgerechten Wohnheim mit 20 bis 35 Quadratmeter großen Appartements. Marseille betreibt die Häuser dann – nur in Ausnahmefällen gehören sie dem Unternehmen selbst. Die Bewohner können selbstständig leben und im Bedarfsfall Pflegeleistungen in Anspruch nehmen.

„Unser Produkt ist positiv besetzt, anders als eine Einrichtung mit stationärer Pflege – davor haben viele Menschen Angst“, sagte Hölzer. Das Konzept werde gut angenommen. Im Ende 2007 eröffneten Haus in Potsdam seien 110 der 130 Betten vermietet. In der Planung befinde sich ein Heim in Eberswalde. Weitere Standorte solle es in Brandenburg und Sachsen-Anhalt geben. Schätzungen zufolge leben bundesweit derzeit 150 000 alte Menschen in 3500 Anlagen des betreuten Wohnens.

Hölzer sagte, mit dem Konzept des betreuten Wohnens ließe sich in der Pflegeversicherung eine Menge Geld sparen. Dies sei dringend nötig, da das System angesichts des demografischen Wandels nicht zukunftsfest sei. Zudem zeichne sich ein „dramatischer Fachkräftemangel“ ab. Von den zwei Millionen Pflegebedürftigen wird derzeit etwa die Hälfte zu Hause betreut, 20 Prozent werden ambulant und 30 Prozent stationär gepflegt.

Auch dürften die alten Menschen nach Hölzers Einschätzung in Zukunft weniger finanzkräftig sein. Die steigende Altersarmut bringe eine erhöhte Belastung für die Staatskasse mit sich, die in solchen Fällen als Finanzier einspringen müsse. Der momentane Trend zur stationären Pflege sei für die Sozialkasse „verheerend“. Die Anreize, sich nicht stationär pflegen zu lassen, seien zu gering. Es gebe in den Kliniken zahlreiche Fehlbelegungen mit Menschen der Pflegestufen eins und zwei, die genauso gut in Häusern mit betreutem Wohnen versorgt werden könnten.

Zur Entwicklung der Marseille-Aktie erklärte Hölzer, der Rückgang des Kurses von 16 Euro zu Jahresbeginn auf nunmehr gut neun Euro sei „paradox“. Die fundamentale Entwicklung des Unternehmens sei „sehr positiv“, Maßnahmen zur Kurspflege daher nicht nötig. Bundesweit bietet Marseille in seinen verschiedenen Heimen und Klinken rund 9000 Betten an. Im vergangenen Geschäftsjahr kam das Unternehmen bei knapp 215 Millionen Euro Umsatz auf einen Gewinn (Ebit) von 20 Millionen Euro. 60 Prozent gehören der Familie von Firmengründer Ulrich Marseille.Carsten Brönstrup

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben