Wirtschaft : Betriebsräte bei Schering warnen vor Übernahme-Poker

Wenn der Preis weiter in die Höhe getrieben wird, droht eine Zerschlagung des Unternehmens

Heike Jahberg

Berlin - Das Darmstädter Familienunternehmen Merck lässt im Übernahme-Krimi um Schering nicht locker. Nachdem Merck in den vergangenen Tagen seinen Anteil an dem Berliner Pharmaunternehmen heimlich auf 18,6 Prozent aufgestockt hat, ist offen, ob Bayer bis zum kommenden Mittwoch – wie geplant – 75 Prozent der Schering-Aktien erwerben kann. Bisher haben die Leverkusener 61,52 Prozent, am Mittwoch läuft das Übernahmeangebot aus.

Aktionärsschützer rechnen nicht damit, dass Bayer die Frist für sein Übernahmeangebot noch einmal verlängert. „Das bringt nichts“, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Tagesspiegel am Sonntag. Um weitere Anteile an sich zu ziehen, müssten die Leverkusener ihr Angebot aufstocken, glaubt Kurz, das habe Bayer aber stets ausgeschlossen. Sollte Bayer-Chef Werner Wenning seine Meinung ändern, werde die DSW jedoch darauf dringen, dass auch die Aktionäre, die ihre Aktien Bayer bereits zum Kauf angeboten haben, in den Genuss des höheren Preises kommen, kündigte Kurz an. Bayer hatte am Freitag rund 3,8 Millionen Aktien an der Börse gekauft – zu Preisen zwischen 84,71 bis 86 Euro. Damit zahlten die Leverkusener maximal so viel wie sie in ihrem Übernahmeangebot offerieren. Die Schering-Aktie schloss am Freitag bei 86,25 Euro.

Analysten rätseln über die Motive des Bayer-Rivalen Merck. Merck hatte im März ein eigenes, deutlich niedrigeres Übernahmeangebot für Schering gemacht. Der Schering-Vorstand hatte die Offerte jedoch abgelehnt und sich mit Bayer einen Verbündeten gesucht. Bayer bietet 16,5 Milliarden Euro für Schering und damit knapp zwei Milliarden Euro mehr als Merck.

In einer offiziellen Stellungnahme für die US-Börsenaufsicht SEC begründete Merck die jüngsten Zukäufe damit, man wolle sich absichern für den Fall, dass das Bayer-Angebot scheitere. Analysten glauben, dass Merck die Hoffnung, doch noch selbst bei Schering einzusteigen, nicht aufgegeben hat. Marktgerüchten zufolge könnte das mit einer Zerschlagung des Berliner Unternehmens verbunden sein. Angeblich soll der US-Konzern General Electric Interesse an einer Übernahme der Diagnostik-Sparte haben.

Sollte ein neuer Übernahmekampf die Preise in die Höhe treiben, könnte das negative Folgen für die Beschäftigten haben. Schon jetzt will Bayer nach der Übernahme 6000 der 60 000 Stellen streichen. Bereits am Freitag hatte Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann vor weiteren Rationalisierungen gewarnt. Sollte die Übernahme infolge der Blockade durch Merck schwieriger oder teurer werden, befürchtet Deutschmann, dass der Käufer die Mehrkosten über einen Verkauf von Unternehmensteilen finanzieren könnte.

Das Schering-Management wollte sich am Samstag nicht zum Aktienkauf durch Merck äußern. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

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