Wirtschaft : Betriebsrat für Dussmanns Kulturkaufhaus

Die längeren Öffnungszeiten führten zur Wahl des Gremiums. Die Gewerkschaft erwartet Konflikte

Hannes Heine

Berlin - Für einige ist es eine kleine Sensation: Das Kulturkaufhaus Dussmann hat erstmals einen Betriebsrat. Das Kulturkaufhaus in der Berliner Friedrichstraße war gerade für Gewerkschafter ein Ärgernis. Seit der Eröffnung vor zehn Jahren versuchten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und ihre Vorläuferorganisationen unter den 200 Mitarbeitern Fuß zu fassen. „Jahrelang haben sich die Beschäftigten durch die Geschäftsführung einschüchtern lassen“, hieß es am Freitag bei Verdi. Dass nun ein Betriebsrat gewählt wurde, wird denn auch in der Gewerkschaftszentrale als großer Erfolg gefeiert. Letztlich hätte Dussmann die Wirkung der verlängerten Ladenöffnungszeiten auf die Beschäftigten unterschätzt. Der Druck auf die Kollegen habe sich dadurch so sehr erhöht, dass diese ihre Angst überwunden hätten - und schließlich eine Mitarbeitervertretung forderten. „Auch diesmal hat es Dussmann mit einer Hinhaltetaktik versucht“, sagte die für den Buchhandel zuständige Verdi-Mitarbeiterin Sabine Zimmer. Die Gewerkschaft freut sich vor allem über die hohe Wahlbeteiligung von 80 Prozent. Die sieben Betriebsräte, die mehrheitlich Verdi-Mitglieder seien, würden sich nun den Arbeitszeiten und Einkommen zuwenden.

Das scheint die Geschäftsführung des Kulturkaufhauses nicht zu stören. „Wir haben kein Problem mit Betriebsräten“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. In allen Dussmann-Einrichtungen gebe es Mitarbeitervertretungen – nur im Berliner Kulturkaufhaus sei das bisher nicht der Fall gewesen. Für die Dussmann-Gruppe arbeiten im Einzelhandel, in Sicherheitsdiensten und Gebäudereinigungen bundesweit mehr als 22000 Beschäftigte, in den Berliner Niederlassungen gibt es 1400 Mitarbeiter. Eigentümer Peter Dussmann tritt gerne als Verfechter eines freien Marktes auf. Als einer der ersten Handelsunternehmer plädierte er für einen verkaufsoffenen Sonntag. Dass gerade ein Buchhändler – wie Kirchen und Gewerkschaften scharf kritisierten – für diesen vermeintlichen Kulturbruch sorgte, störte ihn nicht.

Schon 1998 umging Dussmann die offizielle Ladenschlussregelung und ließ sein Kaufhaus bis 22 Uhr öffnen, indem er seinen Mitarbeitern den Status von Prokuristen – also Vertretern der Geschäftsführung – verlieh. Da dadurch 25 Beschäftigte zu leitenden Angestellten befördert wurden, durfte Dussmann sie auch nach dem üblichen Ladenschluss arbeiten lassen. Dass Berlin später als erstes Bundesland die Ladenöffnungszeiten freigegeben hat, wird auch der Vorreiterrolle Dussmanns zugeschrieben. Der muss inzwischen in der Spätschicht keine Prokuristen mehr beschäftigen.

Bei Verdi glaubt niemand, dass die Differenzen zwischen Kulturkaufhaus und Gewerkschaft mit der erfolgreichen Betriebsratswahl nun vorbei sind. Verdi erwartet vielmehr auch weiterhin Konflikte mit der Geschäftsführung. Von Dussmann hieß es gestern jedoch nur: „Es hat nie Auseinandersetzungen gegeben.“

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