Wirtschaft : Betriebsrat sieht Zukunft für Weltbild Verlag will Gegenspieler von Amazon werden

Augsburg - Der Betriebsrat der insolventen Verlagsgruppe Weltbild will das Unternehmen als einen „werteorientierten Multichannel-Buchhändler“ erhalten. Dieses Konzept stellte die Arbeitnehmervertretung am Freitag gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi am Weltbild-Sitz in Augsburg vor.

Der gleichzeitige Vertrieb über Internet, Katalog und Filialen sei maßgeschneidert für die Vielfalt des deutschen Buchhandels, sagte der vom Betriebsrat engagierte Sachverständige Klaus Warbruck. Angesichts eines übermächtigen Online-Giganten verlangten Verbraucher und Verlagsbranche gleichermaßen nach einem starken Gegenspieler, sagte er in Anspielung auf Amazon. „Kombiniert mit einer werteorientierten Sortimentspolitik liegt hier ein Konzept vor, das gerade für einen christlichen Eigentümer interessant sein müsste.“ Weltbild-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte am Donnerstag angekündigt, dass er das der katholischen Kirche gehörende Unternehmen möglichst komplett in der Konzernstruktur erhalten will. Mehrere Interessenten hätten sich bereits gemeldet.

Belegschaft und Gewerkschaft zeigen sich auch offen für einen weltlichen Investor. Zudem kritisierten sie, dass die Kirche nach langen Diskussionen über die Sanierung den Geldhahn für Weltbild zugedreht habe. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten sei „sehr unglücklich gelaufen“, sagte Warbruck. Den am 10. Januar gestellten Insolvenzantrag bewertete der Sachverständige als „relativ überstürzt“. Geschäftsführung und Eigentümer hätten bis Ende Februar Zeit gehabt, Finanzierungsfragen zu klären.

Unterdessen kündigte der Münchner Kardinal Reinhard Marx an, die Kirche werde, „so weit wie wir das können“, ihre Verantwortung für die Weltbild-Mitarbeiter übernehmen. Zunächst müsse sich jedoch der Insolvenzverwalter einen Überblick verschaffen. „Und dann werden wir überlegen, wie wir helfen können“, sagte Marx am Freitag am Rande einer Grundsatzrede zur sozialen Marktwirtschaft in der Universität Freiburg. dpa/KNA

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