Wirtschaft : Betriebsrat von Schering stellt Ultimatum

Aussage zum Jobabbau bis kommende Woche

Maren Peters

Berlin - Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann hat Bayer aufgefordert, bis zum kommenden Donnerstag, und damit noch vor den Sommerferien, konkrete Aussagen zum Stellenabbau und zu betriebsbedingten Kündigungen zu machen. „Der Frust der Mitarbeiter ist sehr groß“, sagte Deutschmann am Rande einer Betriebsversammlung in Berlin, an der rund 2000 Schering-Mitarbeiter teilnahmen. Die Schmerzgrenze für den Abbau von Jobs in Berlin sieht der Betriebsrat bei 500 der insgesamt 5600 Mitarbeiter . Die Ansprache von Schering-Chef Hubertus Erlen auf der Versammlung habe beim Thema Jobabbau „nicht viel Neues gebracht“, sagte Deutschmann.

Bayer will nach der Übernahme des Berliner Pharmakonzerns 6000 Stellen abbauen. Doch bis jetzt ist nur der Anteil bekannt, den die einzelnen Sparten beitragen sollen, nicht aber, wie stark Schering und Bayer betroffen sein werden. Und auch den Zeitplan hat Bayer-Chef Werner Wenning bislang offen gelassen. Am Vortag hatte er in der Schering-Zentrale nur gesagt, dass der Prozess „fair und ausgewogen“ ablaufen solle. Betriebsbedingte Kündigungen seien die „Ultima Ratio“.

Ob Bayer die Betriebsrats-Frist einhalten wird, ließ ein Sprecher gestern offen. Er betonte mit Verweis auf Wenning nur, dass „der Integrationsprozess sehr sorgfältig, mit Augenmaß und fair ablaufen solle. Das braucht Zeit.“ Die Verantwortlichen seien bemüht, so schnell wie möglich Sicherheit zu schaffen.

Auch Schering-Chef Erlen zeigte sich skeptisch: „Es gibt nicht einen Zeitpunkt, das ist eine schrittweise Entwicklung“, sagte er dem Tagesspiegel. „Klar ist, dass wir für den Integrationsprozess noch viele Wochen brauchen werden.“ Es sei zwar wichtig, den Prozess so schnell wie möglich voranzutreiben, es müsse aber auch darum gehen, gute Lösungen zu erarbeiten. Ziel sei es, eine Lösung zu finden, die betriebsbedingte Kündigungen unnötig mache. Erlen zeigte Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter. „Wir leben in einer Zeit erhöhter Unsicherheit“, sagte Erlen, der bald in den Aufsichtsrat der künftigen Bayer Schering Pharma wechselt. „Die Situation ist für alle Beteiligten nicht einfach.“

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