Wirtschaft : Betriebsrente: Von Zeit-Wertpapieren und Fonds-Modellen

Bernd Frank

Bei der Altersvorsorge haben einige Großunternehmen Einfallsreichtum gezeigt und teilweise außerhalb der klassischen Betriebsrente neue Modelle entworfen. So können die Mitarbeiter von Volkswagen seit 1998 in ein Zeit-Wertpapier investieren - und zwar Zeit und Geld. So gut wie alle haben sich inzwischen an diesem Modell beteiligt. Der Arbeitnehmer legt dabei aus seinem Bruttogehalt - vor Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen - Geld für die Zusatzrente zurück. Fünf Fondsgesellschaften verwalten die Pensionsgelder und legen sie am Kapitalmarkt an. Dabei übersteigt aus Sicherheitsgründen der Anteil festverzinslicher Wertpapiere den Aktienanteil, der bei maximal 30 Prozent liegen darf. Die Rendite lag bisher im Jahresdurchschnitt bei zehn Prozent. Steuern fallen erst bei Auszahlung im Rentenalter an, wenn der Steuersatz in der Regel niedriger liegt als während des Berufslebens. Auch können die Beschäftigten Sonderurlaubstage und Überstunden in ihrem Zeit-Wertpapier ansparen.

Grundlage für das VW-Modell ist das seit 1998 geltende Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeiten. Mit ihm soll, so die Idee, der Arbeitnehmer seine Lebensarbeitszeit flexibler gestalten. Für die Fälle des vorzeitigen Ruhestands oder von Teilzeitarbeit in den letzten Jahren des Berufslebens soll so die Möglichkeit zum finanziellen Ausgleich geschaffen werden. Der Mitarbeiter kann aber selbst entscheiden, ob er mit dem Geld (ergänzt um die angesammelte Arbeitszeit) früher in Rente geht oder im "normalen" Ruhestand die Einkünfte aufbessert.

Sparen über Investmentfonds

Konkurrent Daimler-Chrysler unterstützt die individuelle Altersvorsorge der Mitarbeiter unter anderem über Investmentfonds. Im vergangenen Jahr wurden zwei Fonds-Modelle eingeführt, die zusammen mit der Deutschen Bank und der Dresdner Bank entwickelt wurden. Sie besitzen unterschiedliche Schwerpunkte: Der Gottlieb Daimler Aktienfonds DWS - ein international anlegender Fonds mit Schwerpunkt Europa - eignet sich nach Daimler-Angaben besonders für die Anlage vermögenswirksamer Leistungen. Der Karl-Benz AS-Fonds dbi entspricht den gesetzlichen Vorgaben für Altersvorsorge-Sondervermögen und besteht aus mehreren Einzelfonds, die gemischt in Festverzinsliche und Aktien anlegen und sich dabei am Lebensalter des Mitarbeiters orientieren. Beim Erwerb der Fondsanteile entfällt der ansonsten übliche Ausgabeaufschlag von etwa vier Prozent. Seit der Auflage im Mai 1999 haben rund 23 600 Mitarbeiter mehr als 93 Millionen Euro in die Fonds investiert.

Daneben bietet Daimler seinen Mitarbeitern in Deutschland die Möglichkeit, Belegschaftsaktien zu günstigen Konditionen zu erwerben und eine Direktversicherung abzuschließen, bei der die Einzahlungen steuerfrei sind und erst die Auszahlungen im Rentenalter besteuert werden. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, Sonderzahlungen wie beispielsweise das Weihnachtsgeld steuer- und sozialabgabenfrei einem "Ruhegeld" zuzuführen, wobei das Geld von Fonds gemischt in Festverzinsliche und Aktien angelegt wird. Auch hier erfolgt die Besteuerung erst bei Auszahlung, und wie bei der Direktversicherung verfallen die Ansprüche des Mitarbeiters bei einem Wechsel des Arbeitgebers nicht.

Vom nächsten Jahr an können Mitarbeiter bei Siemens Teile ihres Einkommens in eine neue Variante der individuellen Altersversorgung umwandeln. Siemens nutzt dabei das Prinzip der "Deferred Compensation" (aufgeschobene Vergütung), um variable Einkommensbezüge bis zur Erreichung des Rentenalters aufzuschieben. Der Mitarbeiter legt einen Teil seines Bruttoeinkommens steuer- und sozialabgabenfrei (Gehaltsumwandlung) in Publikumsfonds der Siemens Kapitalanlagegesellschaft mbH (SKAG) an. Er kann dies allerdings nur aus variablen Einkommensbestandteilen, die also nicht von vornherein in ihrer Höhe festgelegt sind (beispielsweise ein Jahresbonus oder Überstunden-Entgelte) tun, und dies auch nur bis zu maximal 50 Prozent der variablen Einkünfte. Das Geld wird zu 60 Prozent in den SKAG Euroinvest Aktien und zu 40 Prozent in den SKAG Euroinvest Renten angelegt.

Beiträge steuer- und sozialabgabenfrei

Die SKAG garantiert eine Mindestverzinsung von 3,25 Prozent p.a. bis zum 60. Lebensjahr beziehungsweise bis zur Pensionierung. Erst bei der späteren Auszahlung im Ruhestand werden Steuern fällig. Bisher können rund 3000 leitende Angestellte dieses Modell in Anspruch nehmen. Der Start des Programms für alle Mitarbeiter der Siemens AG in Deutschland ist für nächstes Frühjahr geplant.

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