Wirtschaft : Betriebsrentner warten auf ihr Geld

Auf Grund vieler Pleiten verzögert sich die Rentenfortzahlung duch den Pensionssicherungsverein

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Berlin (avi). Viele Rentner, die in insolventen Unternehmen gearbeitet haben, müssen derzeit Monate auf die Fortzahlung ihrer Betriebsrenten warten. Bei Großunternehmen wie Philip Holzmann oder Fairchild-Dornier mussten Arbeitnehmer ein halbes Jahr auf die ihnen zustehende Betriebsrente warten. Nun sorgen sich auch die Arbeitnehmer der Berliner Borsig GmbH und vieler kleiner Firmen um ihre Ansprüche. Wann die Betriebsrente der Tochter der Oberhausener Babcock-Borsig AG ausgezahlt wird, kann der im Insolvenzfall einspringende Pensionssicherungsverein (PSV) in Köln nicht sagen.

Eine Betroffene sagte dem Tagesspiegel, ihr 80-jähriger Mann, der 15 Jahre für Borsig gearbeitet hatte, habe seit Juni keine Betriebsrente mehr erhalten. Bei einem Anruf beim PSV habe man ihr gesagt, der PSV sei „noch mit den Holzmännern beschäftigt.“ Es könne noch Monate dauern, bis man sich um Borsig werde kümmern können. „Diese Aussage finde ich skandalös“, sagte Leonhard Hein, Personalleiter bei Borsig. „Die nötigen Unterlagen werden wir im September bei der PSV einreichen und hoffen dann auf eine zügige Auszahlung an unsere Mitarbeiter.“

Alle Firmen, die ihren Mitarbeitern über die gesetzliche Rente hinaus eine betriebliche Altersversorgung zahlen, sind im Pensionssicherungsverein pflichtversichert. Er übernimmt die Zahlung von Betriebsrenten, wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet. Borsig hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für September angekündigt. Der PSV erhält die notwendigen Personaldaten und prüft, wer anspruchsberechtigt ist. Wegen der PSV-Rücksicherung gilt die Betriebsrente zu Recht als absolut sicherer Teil der Altersversorgung. Betroffene Arbeitnehmer stehen nun vor dem Problem, dass die Zahlung sich unerwartet verzögert.

„Sehr viele Rentner müssen auf ihre Ersparnisse zurückgreifen, um die Zeit zu überstehen“, sagte Günter Pfeiffer, Betriebsratsvorsitzender von Fairchild-Dornier in Oberpfaffenhofen. „Sie können sich vorstellen, dass die sauer sind.“ Seit April warten Betriebsrenten-Berechtigte des Flugzeugherstellers Pfeiffer zufolge auf die monatliche Zahlung. Die PSV hat eine Zwischenfinanzierung angekündigt, die im September anlaufen soll. Erst im Oktober würden die ausstehenden Zahlungen vollständig ausgeglichen sein, sagte Pfeiffer auf Anfrage. „Ein langjährig beschäftigter Flugzeugmechaniker muss zur Zeit auf etwa 250 bis 300 Euro verzichten“, sagte Pfeiffer. Auch bei der Frankfurter Philip Holzmann AG mussten die Arbeitnehmer fünf Monate auf die Auszahlung der Rente warten. In diesen Tagen laufen die Zahlungen endlich an. „Für einige Mitarbeiter war das eine schlimme Zeit“, klagte der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Mahneke.

Für den PSV ist das Jahr 2002 ein Ausnahmejahr. Bis Juli entstand ein Schadensvolumen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie im Gesamtjahr 2001. Im ersten Halbjahr sind 341 Insolvenzen eingetreten, rund 52 000 Betriebsrentner sind betroffen. Wegen dieser Pleitewelle droht sich die Bearbeitung neuer Insolvenzen weiter zu verzögern. „In der Regel dauert es drei bis vier Monate, bis wir die Rentenfortzahlung gewährleisten“, sagte Heinz Nickolay, Abteilungsleiter für Insolvenz und Leistung beim PSV auf Anfrage. „Der Fall Borsig ist sehr kompliziert und wir haben die notwendigen Unterlagen noch nicht.“ Daher weiß der PSV nicht, wann die Renten ausgezahlt werden können.

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