Betriebssysteme : Google will Microsoft das Leben schwer machen

Google plant eine Software, die direkt auf das Kerngeschäft des Marktführers Microsoft zielt.

Berlin Berlin - Einfach E-Mails lesen, ohne Zeit mit dem Hochfahren des Computers verschwenden zu müssen. Einen Rechner haben, der immer so schnell läuft wie am ersten Tag. Überall auf die eigenen Daten zugreifen können, ohne Panik zu haben, den Rechner einmal zu verlieren. Sich keine Sorgen um Konfigurationen oder Viren und Schadprogramme machen müssen – das sind wohl die Träume vieler Computernutzer. Jedenfalls sieht Google das so. Das kalifornische Internetunternehmen tritt nun an, diesen Traum wahrzumachen und fordert dabei den Softwarekonzern Microsoft in seinem Kerngeschäft heraus. In der zweiten Jahreshälfte 2010 soll das Betriebssystem Google Chrome OS auf den Markt kommen.

Die neue Systemsoftware soll zunächst auf Netbooks ausgerichtet sein – preisgünstige tragbare Computer, die vor allem für das Surfen im Internet gedacht sind. Google Chrome soll dabei im Gegensatz zu den Betriebssystemen von Microsoft auf dem frei verfügbaren System Linux basieren. Programmierer weltweit können sich an der Entwicklung beteiligen und Anwendungen erstellen.

Noch beherrscht Microsoft den Markt. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Gartner liefen Ende 2008 weltweit 95,4 Prozent aller Computer mit Betriebssystemen von Microsoft. Apple kam auf 2,7, Linux auf 1,9 Prozent.

„Es ist keine Überraschung, dass Google nun mit einem Betriebssystem herauskommt“, sagte auch Ralf Kaumanns, Google-Experte der Beratungsfirma Accenture, dem Tagesspiegel. „Google verfügt bereits über alle Komponenten, die man braucht.“ So war das Unternehmen erst vor kurzem mit dem Webbrowser Chrome herausgekommen, einem Konkurrenzprodukt zum Internet Explorer von Microsoft. Laut Google verwenden inzwischen 30 Millionen Nutzer regelmäßig Chrome, um sich im Internet zu bewegen, womit der Marktanteil derzeit noch winzig ist. Doch zusammen mit dem neuen Betriebssystem könnte sich das ändern. Dann würde Google alles aus einer Hand liefern. „Die wenigsten Nutzer machen sich die Mühe, die voreingestellten Anwendungen durch andere zu ersetzen“, sagte Kaumanns. Und auch für die PC-Hersteller sei das Betriebssystem attraktiv. „Lizenzen für Betriebssoftware sind ein echter Kostenfaktor“, sagt er. „Im Zweifel werden die Hersteller lieber Software benutzen, für die sie keine Gebühren bezahlen müssen.“

Auch Axel Freyberg von der Unternehmensberatung A.T. Kearney nannte Chrome OS eine konsequente Weiterentwicklung. „Künftig werden immer weniger Anwendungen auf dem Rechner laufen und dafür immer mehr Kapazitäten ins Netz verlagert“, sagte Freyberg. „Dafür ist Chrome das richtige Produkt.“ Der Vorteil für den Nutzer: Das Betriebssystem ist schlanker und somit schneller.

Bleibt die Frage, wie Google mit einer Software, die keine Lizenzgebühr einbringt, Geld verdienen will. „Google verdient nicht zuletzt daran, dass immer mehr Menschen ins Netz gehen. Dort kann Google dann mit Werbung Geld verdienen.“, sagte Freyberg. Auch Kaumanns von Accenture ist überzeugt, dass Google auf seine Kosten kommen wird. „Die Nutzer bezahlen kein Geld, aber sie bezahlen mit ihren Daten, die sie hinterlassen, wenn sie Google-Produkte nutzen.“

Kaumanns erwartet eine schnelle Reaktion. „Ich gehe davon aus, dass Microsoft bereits eine Antwort auf Chrome OS in der Schublade hat.“ Vielleicht eine schlankere Version von Vista oder Windows 7. Aber auch wenn Microsoft keine nennenswerten Marktanteile verlieren sollte, weil bei Google keine Lizenzgebühren anfallen, werde der Druck auf die Preise und damit die Margen auf jeden Fall steigen.

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