Betrugsskandal : Heros-Chef will Geständnis ablegen

Im Betrugsskandal beim größten deutschen Geldtransport-Unternehmen Heros will der verhaftete Firmeninhaber ein umfangreiches Geständnis ablegen. Er soll mit drei seiner Mitarbeiter 300 Millionen Euro Kundengelder unterschlagen haben.

Hannover - Der Anwalt des 57-Jährigen, Bertram Börner, sagte in Hannover: «Er wird den Sachverhalt aufklären. Er übernimmt dafür die Verantwortung». Der Firmenchef und drei seiner Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet.

Börner sagte, der überwiegende Teil des Geldes sei für das Unternehmen verwendet worden. Ursprünglich habe sein Mandant geplant, sich selbst anzuzeigen: «Der innere Druck war einfach zu groß.» Ehe es dazu kam, hätten die Ermittler aber schon die Geschäftsräume durchsucht. An diesem Donnerstag und Freitag seien Vernehmungen der Beschuldigten geplant, sagte der Rechtsanwalt. Unterdessen läuft der Geschäftsbetrieb nach Angaben einer Heros-Sprecherin normal weiter. Zur Zukunft des Unternehmens wollte sie sich zunächst ebenso wenig äußern wie der Insolvenzverwalter.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte eine schärfere Kontrolle des privaten Geldtransportgewerbes. Der Fall Heros sei zwar in der Dimension einmalig, jedoch kein Einzelfall, sagte der GdP- Vorsitzende Konrad Freiberg in Berlin. Bei den staatlichen Kontrollmöglichkeiten über die Geldtransporteure gebe es einen «eklatanten Mangel».

Die Verbraucher brauchen nach der Heros-Pleite nicht zu fürchten, dass ihnen das Bargeld ausgeht. Die Deutsche Bundesbank und die Kreditwirtschaft warnten am Dienstag vor Panik. «Die Verbraucher müssen keineswegs schnell zur Bank», sagte ein Bundesbank-Sprecher in Frankfurt. «Die Automaten sind gut gefüllt, das Bargeld ist nicht auf einen Schlag weg.»

Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) hat Heros ohnehin nur etwa 10 bis 12 Prozent der bundesweit 50 000 Geldautomaten bestückt. Bei der Abholung und Bearbeitung der Tageseinnahmen des Handels könne es aber zu Verzögerungen kommen, weil dort der Anteil bei bis zu 70 Prozent liege, sagte BDGW- Hauptgeschäftsführer Harald Olschok in Frankfurt.

Bei den Konkurrenten wird das Geschäftsgebaren von Heros kritisch gesehen. Olschok warf Heros vor, den «ruinösen Wettbewerb in der Branche enorm forciert» zu haben. Das Unternehmen habe marktübliche Preise um bis zu 60 Prozent unterboten. «Preisunterbietung und Expansion von Heros passen nicht zusammen», sagte Olschok. Heros war nach BDGW-Angaben durch «aggressives Aufkaufen» von Konkurrenten aufgefallen, zuletzt die deutschen Geld- und Wertdienste des schwedischen Konzerns Securitas. Der Verbandsgeschäftsführer äußerte die Vermutung, die Mittel für die Zukäufe seien offenbar aus den Geldern von Kunden gekommen, die nicht ordnungsgemäß bei der Bundesbank zur Gutschrift eingeliefert worden seien.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler hat sich der Betrug in der Führungsetage von Heros abgespielt. Zwei der Verhafteten seien der Unternehmensführung zuzurechnen, zwei der Ebene darunter, sagte Staatsanwalt Norbert Jansen in Mönchengladbach. Einige von ihnen hätten zu den Vorwürfen Stellung genommen und auch die Höhe des Schadens auf 300 Millionen Euro beziffert. «Wir ermitteln nicht gegen Geldtransport-Fahrer», betonte Jansen. Nachdem der Fall bekannt wurde, hatte die gesamte Heros-Gruppe Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind nach Angaben des Amtsgerichts Hannover die Heros Verwaltungs GmbH sowie deren 23 Töchter.

Zur Frage, wie die Beschuldigten lange Zeit unbemerkt 300 Millionen Euro abzweigen konnten, machten die Ermittler aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Nach der Durchsuchungsaktion vom Freitag müsse erst das beschlagnahmte Material gesichtet und sortiert werden. (tso/dpa)

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