Wirtschaft : Bewag-Aktionär Southern hält sein Versprechen

ATLANTA (jhw).Berlin erhält als erste deutsche Stadt eine einzige zentrale Anlaufstelle für Investoren aus aller Welt.Das sogenannte Berlin-Investment-Center, das gemeinsam von der öffentlichen Hand und privaten Geldgebern finanziert wird, soll 1999 seine Arbeit aufnehmen.Dies kündigte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Berlin GmbH, Hans Estermann, in Atlanta an.Die Pläne waren auch Thema der Gespräche, die die Berliner Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD), während ihres Aufenthalts in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, Atlanta, mit Vertretern des Bewag-Aktionärs Southern Company führte.

Die Einrichtung einer solchen Investoren-Anlaufstelle gehört zu den Bedingungen, unter denen Southern im vorigen Jahr den Zuschlag für die Bewag-Beteiligung erhielt.Seinerzeit erwarb Southern 26 Prozent der Anteile des Berliner Energieversorgers für 830 Mill.US-Dollar.Für den Berliner Senat, der seine Aktien verkaufte, verhandelte Fugmann-Heesing.Deshalb führt sie jetzt die Gespräche weiter, obwohl eigentlich der Wirtschaftssenator zuständig ist.Der Leiter der Berliner Repräsentanz von Southern Company, Jason Harlan, sagte dem Tagesspiegel: "Wir sind dabei - Geld und Know How."

Vor sieben Jahren gründete Southern am Firmensitz in Atlanta die nach eigenen Angaben erste derartige Anlaufstelle in den USA.Dabei handelte es sich um eine sogenannte Public-Private-Partnership.Tochterunternehmen von Southern managen solche Einrichtungen inzwischen auch in anderen US-Staaten, so etwa in dem Nachbarstaat Alabama.Dorthin locken sie Investoren - nach Alabama etwa den Mercedes-Benz-Konzern, der dort Geländewagen seiner M-Klasse baut.Die zentrale Wirtschaftsförderung in Georgia hat laut Southern seit 1992 für Investitionen von knapp 4,3 Mrd.Dollar gesorgt.Zugleich entstanden rund 54 000 Arbeitsplätze.

Den großen Vorteil eines derartigen Investitions-Zentrums sieht Fugmann-Heesing in der Integration der bislang verstreuten Informationen."Da muß ein Investor nicht mehr von Pontius nach Pilatus laufen", sagt die Finanzsenatorin.Sie halte es für "sehr beeindruckend", wie Wirtschaftsförderung in Georgia funktioniere.Ihr Rat: So etwas müsse es so schnell wie möglich auch in Berlin geben.Fugmann-Heesing stellte aber klar, daß darüber noch der Senat diskutieren müsse.Das neue Berlin-Investment-Center sei auch Gegenstand der Aufsichtsratssitzung der Wirtschaftsförderung Berlin GmbH, die im November stattfindet.

Estermann hat in den vergangenen Monaten ein Konzept für die Anlaufstelle erarbeitet.Beobachter rechnen damit, daß Details - beispielsweise über die Beteiligten in Berlin und die Verteilung der Kosten - bekanntwerden, wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (CDU), Mitte Dezember Atlanta besucht.In den kommenden drei Monaten sollten die Partner Estermann zufolge "alles unter einem Hut" haben, "in 12 bis 13 Monaten" würde die neue Stelle eröffnen.Voraussetzung dafür sei allerdings, so der Wirtschaftsförderer, daß sich die Partner finden, die über die Daten verfügen, die Investoren nachfragen.

In Atlanta beispielsweise sind eine Vielzahl von Fakten in Gesprächen und über das Internet abrufbar.So können Unternehmen recherchieren, wo welche Flächen zu erwerben sind und wie gut die Verkehrsanbindung ist.Sie erfahren zudem, ob Arbeitskräfte verfügbar sind, nämlich dadurch, wie hoch die Arbeitslosenquote in Kreisen und Gemeinden ist, und wieviel ein Beschäftigter dort durchschnittlich verdient.

Finanzsenatorin Fugmann-Heesing betonte, der potentielle Investor könne sich nicht nur über die staatlichen Angebote an Flächen informieren, sondern auch über die Standorte privater Verkäufer."Ich halte es für sehr wichtig, daß es so etwas auch in Berlin gibt, zum ersten Mal in Deutschland", sagte sie.

Zu klären freilich ist noch, wie die verschiedenen Informationsträger in einer Stelle zusammenwachsen und die Kosten verteilt werden.Vertreter von Southern signalisierten in Atlanta ihre Bereitschaft, sich finanziell zu beteiligen.Die Investition in Berlin sei schließlich eine langfristige, sagte Tom Allen, Direktor für Wirtschaftsförderung von Southern Company.Es komme sowieso nicht unbedingt darauf an, nur einen günstigen Standort anzubieten."Es kommt darauf an zu demonstrieren: Dies ist ein Ort, wo man problemlos Geschäfte machen kann." Southern wisse, wie man US-Investoren ansprechen und welche Informationen man ihnen bieten müsse.Schon jetzt verhandeln Berliner Wirtschaftsförderer mit US-Unternehmen aus der Chemie-Industrie, der Verkehrs- sowie der Informations- und Kommunikationstechnik, die Produktionsstätten in Berlin anbieten sollen.

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