Wirtschaft : Bewag: Der Stromversorger vor der Flut

Antje Sirleschtov

Was tun mit den Bewag-Papieren? Eben galt der Berliner Stromversorger noch als hoffnungsvolle Aktie: Unterstützt vom bedeutendsten amerikanischen Stromproduzenten Southern Energy, ausgerüstet mit dem deutschlandweit umfangreichsten Kundenstamm und strategisch unvergleichbar günstig mitten im Wachstumsmarkt des deutschen und europäischen Osten gelegen. Und nun? Aus dem offensiv agierenden Marktteilnehmer ist ein wehrloses Objekt in der Schlacht der großen europäischen Stromkonzerne um die Neuaufteilung des deutschen Marktes geworden. Nur noch Rechtsanwälte tauschen Papiere aus, weil sich der schwedische Konzern Vattenfall und Southern Energy den Zugriff auf ganz Ostdeutschland und Berlin sichern wollen - und zu Verhandlungen nicht bereit sind. Acht Tage noch, dann bestimmen nicht einmal mehr industrielle Eigentümer die Geschicke der Bewag, sondern ein Veräußerungstreuhänder. Wie kreativ der Vorstand des Unternehmens unter solchen Bedingungen Kunden akquirieren und neue Märkte strategisch erschließen kann, ist allzu leicht vorstellbar. Die Aktionäre halten den Atem an: Kaum Umsätze auf dem Parkett, der Kurs dümpelt im seichten Brackwasser.

Sollte man sich jetzt vom einstigen Hoffnungswert Bewag verabschieden? Abwarten: Die ostdeutschen Unternehmen Veag und Laubag werden bis zum Jahresende neue Eigentümer bekommen. Nicht hoffnungslos ist sogar die Aussicht, dass der Verkauf klare Führungsstrukturen bringen wird, die den Braunkohleverstromern eine wirkliche Chance im Wettbewerb eröffnen. Wer auch immer die Geschicke des vierten deutschen Energiekonzerns lenken wird: Die Bewag wird über kurz oder lang hinzukommen. Das gebietet die Markt-Logik, die geradezu eine Fusion der Bewag-Kunden und der Veag-Kraftwerke fordert. Das streben alle Kaufinteressenten an. Und das wird letztlich auch die Kleinanleger überzeugen.

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