Wirtschaft : Bewag: Gericht stoppt HEW-Einstieg

Die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) sind vor Gericht zunächst mit ihrem Vorhaben gestoppt worden, die Mehrheit beim Berliner Konkurrenten Bewag zu übernehmen. Wie Finanzsenator Peter Kurth (CDU) am Montag mitteilte, erließ das Landgericht Berlin auf Antrag Kurths am Samstag eine einstweilige Verfügung gegen die Bewag-Großaktionärin Eon Energie. Eon darf demnach ihren durch die Firmentöchter PreussenElektra und Bayernwerk 1997 übernommenen Bewag-Anteil nicht ohne Zustimmung des Landes weiterveräußern. Kurth kündigte weitere Gespräche mit Eon-Energie für diese Woche an.

Eon-Energie-Sprecherin Petra Uhlmann sagte, ihr Haus sei angesichts der laufenden Gespräche "überrascht" über die einstweilige Verfügung. HEW-Sprecher Johannes Altmeppen zeigte sich optimistisch über den Ausgang des Streites. Kurth hatte bereits am Freitag gesagt, der geplante Aktientausch zwischen Eon und HEW laufe dem Bewag-Privatisierungsvertrag von 1997 zuwider und bedürfe der Zustimmung des Landes. Weder Senat noch Belegschaft seien über das Vorhaben informiert worden. "Die Bewag muss ein wettbewerbsfähiger Energieproduzent bleiben und darf nicht zur Verkaufsagentur für auswärtigen Strom werden." Uhlmann sagte, ihr Unternehmen werde sich "aus der Verpflichtung nicht herausstehlen". Der ebenfalls an einer mehrheitlichen Übernahme der Bewag interessierte US-Konzern Southern Energy müsse entgegen eigener Darstellung einem Bewag-Anteilsverkauf an Dritte nicht zustimmen, betonte die Sprecherin von Eon-Energie weiter.

In den anstehenden Gesprächen zwischen Eon-Spitze und Senat sollen Kurth zufolge "die Vorstellungen der beiden Seiten über die Zukunft der Bewag und die Stärkung des Standortes Berlin" erörtert werden. HEW-Sprecher Altmeppen sagte, sein Unternehmen gehe "davon aus, dass Eon alle Vorbehalte des Berliner Senates ausräumen wird". Die "strategische Zielsetzung" der HEW werde davon nicht berührt. "Es ist unverändert unser Ziel, die Bewag und den Standort Berlin zu stärken." Die Bewag-Mehrheitsübernahme der HEW sei "im Interesse aller Beteiligten eine sinnvolle Konstruktion".

Energie-Analyst Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Oppenheim nannte die Strategie des Landes in dem Streit "überraschend". Es seien von vorneherein Gespräche mit den an Bewag interessierten Konsortien gelaufen, sagte Heck. "Das Land war darauf vorbereitet." Seiner Einschätzung nach wolle der Senat nun "nur ein bisschen Druck machen". Er könne sich "kaum vorstellen, dass die Übernahme durch die HEW noch scheitert". Wichtigste Frage sei, inwieweit Southern als Minderheitsaktionär der Bewag das Vorhaben noch blockieren könne. Offenbar habe Southern indes "weder ein Veto- noch ein Vorkaufsrecht".

Eon ist gerade erst aus der Fusion von Veba und Viag entstanden. Der Konzern muss sich wegen Auflagen der Kartellbehörden sowohl bei Bewag als auch bei der ostdeutschen Veag und der HEW zurückziehen. Vergangene Woche hatte HEW angekündigt, zunächst Bewag und dann Veag mehrheitlich übernehmen zu wollen. Auch bei der Fusion von RWE und VEW hatten sich die Partner verpflichten müssen, aus der ostdeutschen Stromwirtschaft auszusteigen.

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