Wirtschaft : Bewag hält den Strompreis stabil

Versorger will seinen Marktanteil in Berlin verteidigen

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Berlin (fo). Der Strom- und Wärmeversorger Bewag will auf seinem Heimatmarkt Berlin die Führungsrolle als Stromversorger verteidigen. Der Vorstand des zum Vattenfall-Konzern gehörenden Unternehmens gibt deshalb die Belastungen aus der nächsten Stufe der Ökosteuerreform vorerst nicht an seine Kunden weiter. „Die Preise für Privatkunden und tarifliche Gewerbekunden bleiben bis Ende 2003 stabil“, sagte Vorstandsmitglied Klaus Pitschke dem Tagesspiegel. Der Nettostrompreis werde gesenkt und so die erhöhte Steuerabgabe ausgeglichen, teilte die Bewag am Samstag mit. Mit dieser Aktion, so Vorstandschef Hans-Jürgen Cramer, solle klargemacht werden, „dass die Bewag in Berlin erste Wahl der Kunden ist“. Im Branchenvergleich zählt die Bewag nicht zu den preiswerten Stromanbietern.

Seit der Liberalisierung des Strommarktes vor fünf Jahren hat die Bewag etwa 15 Prozent Marktanteil in Berlin verloren. Damit befindet sie sich zwar immer noch in einer komfortablen Position. Doch die Versuche der Konkurrenz, zum Teil über nicht kostendeckende Preise der Bewag Kunden abzujagen, halten an. „Der Berliner Markt ist heiß umkämpft“, sagt Pitschke. Alle neuen Wettbewerber in Deutschland seien auch in Berlin aufgetaucht. Ruinösen Preiskampf will die Bewag allerdings nicht mitmachen. Als Beleg dafür, dass nicht nur der Preis für den Strom, sondern auch der Service eine wichtige Rolle spiele, wertet der Bewag-Vorstand die Wiedergewinnung der großen Kunden Schering, Berliner Wasserbetriebe und auch das Land Berlin selbst. Die angekündigte Preisaktion wird das Unternehmen nach Vorstandsangaben etwa zehn Millionen Euro kosten.

Wegen der Integration in den schwedischen Konzern Vattenfall gab es auch Befürchtungen, der Berliner Versorger könne bis auf den Namen vom Markt verschwinden. Der Vorstand stellt klar, dass es nicht die Vattenfall-Strategie sei, Bewag oder die Schwesterfirma HEW in Hamburg zu Handelsmarken zu degradieren. Pitschke: „Hinter der Marke Bewag steht auch in Zukunft ein leistungsfähiges Berliner Unternehmen.“

Das Management lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass die Integration dazu genutzt werden soll, Synergieeffekte zu nutzen. Für Unruhe unter der Bewag-Belegschaft sorgt seit Monaten die Frage, wie viele Arbeitsplätze der Fusion zum Opfer fallen könnten. Die Verhandlungen darüber mit den Arbeitnehmervertretern werden laut Cramer bis Jahresende andauern. Bereits seit längerem vereinbart sei der Abbau auf 4000 Stellen bis zum Jahr 2005. Derzeit beschäftigt die Bewag rund 4800 Mitarbeiter.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

„Von der Fusion werden wahrscheinlich mehr als 90 Prozent aller Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit gar nichts spüren“, versichert Cramer. Genaue Zahlen, wie viele Stellen noch gestrichen werden könnten, wollte er aber nicht nennen. Nach Ansicht des Bewag-Chefs haben die bisher schon getroffenen Tarifvereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern „viele Ängste der Mitarbeiter genommen“. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen und der Fortbestand von Mitbestimmung sowie Tarifbindung festgelegt worden. Im Übrigen, ergänzt Pitschke, sei im Fusionsprozess des Gesamtkonzerns darauf geachtet worden, „dass keine Region benachteiligt wird“. Die Vorstände sehen Vattenfall als Chance für die Bewag, „in eine andere Liga zu kommen“. Cramer sagt: „Wir waren nicht groß genug, um eigenständig zu bestehen.“

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