Wirtschaft : Bewag hat Gebot für polnischen Versorger nicht entschieden

uwe

Der Berliner Stromversorger Bewag hat noch nicht endgültig entschieden, ob er sich tatsächlich um den Warschauer Energieversorger Stoen bewerben will. Die Angebote für das polnische Unternehmen müssen bis zum 16. November eingereicht werden. Bislang gebe es noch keine Entscheidung über eine Bewerbung, teilte die Bewag gestern mit.

Für die Bewag wäre das Engagement in Polen die erste Akquisition im Ausland und der erste Schritt, eine eigenständige Kraft in Europa zu werden. Brisant sind die Überlegungen vor allem allerdings deshalb, weil mit dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall einer der beiden Hauptgesellschafter der Bewag ebenfalls für das polnische Unternehmen bieten will. Vattenfall hält rund 44 Prozent an der Bewag und ist in Warschau bereits bei einem anderen Strom-Unternehmen in Warschau engagiert.

In der Bewag gilt eine mögliche Bewerbung als Gradmesser dafür, wie selbstständig das Berliner Unternehmen überhaupt noch agieren kann: Würde Vattenfall etwa ein Gebot der Bewag behindern, wäre der Konflikt um die Führung des Unternehmens offensichtlich. Zieht umgekehrt die Bewag die Bewerbung gegen Vattenfall durch, würden zwei verbundene Unternehmen den Preis der Beteiligung an derselben Firma treiben.

Seitdem die komplette Übernahme der Bewag durch Vattenfall vor wenigen Wochen scheiterte, besteht ein wachsender Interessenkonflikt zwischen den beiden Hauptgesellschaftern an der Bewag. Vattenfall hat kein Interesse daran, dass sich die Bewag räumlich ausdehnt. Nachdem die Übernahme jedoch geplatzt war, weil sich die beiden Gesellschafter - neben Vattenfall der US-Versorger Mirant - nicht über die unternehmerische Führung einigen konnten, will dagegen Mirant die Bewag zu einer eigenständigen Kraft ausbauen. Branchenkenner gehen davon aus, dass es wegen dieser Konflikte in den nächsten Monaten zu einer Bereinigung der Eigentümerstruktur bei der Bewag kommen wird.

Denkbar wäre, dass sich Vattenfall bei Gelegenheit von seinem Bewag-Anteil löst. Das Unternehmen ist Mehrheitsgesellschafter an den Hamburger Electricitätswerken (HEW) und kann dort bis zum Jahresende seine Beteiligung aufstocken. Außerdem will Vattenfall den ostdeutschen Versorger Veag mit den HEW verschmelzen - ein Vorhaben, das die Bewag blockieren könnte.

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