Wirtschaft : Bewag: Internationales Modellprojekt: Neue Brennstoffzelle soll Strom und Wärme liefern

kvo

In Berlin wird seit Beginn dieser Woche eine neue Brennstoffzellen-Technologie erprobt. "Wir nutzen europaweit zum ersten Mal die PEM-Zelle in der 200 Kilowatt-Klasse für die Strom- und Wärmeerzeugung", sagte Dietmar Winje, Vorstandsvorsitzender der Bewag AG am Montag in Berlin. PEM steht für Proton-Exchange-Membrane und bezeichnet einen Typ von Brennstoffzellen, der auch von der Autoindustrie bei der Entwicklung des Brennstoffzellen-Motors favorisiert wird. Das Projekt wurde von einem Konsortium der Energieunternehmen HEW (Hamburg), EdF (Paris), PreussenElektra (Hannover) und Veag (Berlin) unter Führung der Bewag entwickelt.

Die Pilotanlage entstand im kanadischen Unternehmen Ballard, Produktion und Vermarktung übernimmt die Alstom Energietechnik GmbH. "Mit dem Projekt werden zum ersten Mal Erfahrungen mit PEM-Brennstoffzellen in Strom-Wärme-Koppelungsanlagen einer neuen Größenordnung gemacht", sagte Klaus-Peter Müller, Deputy-President der Alstom. Für die Strom- und Wärmeerzeugung in der Anlage wird Erdgas genutzt. Zusätzlich kann der benötigte Wasserstoff mit Hilfe einer Solaranlage erzeugt werden.

Die Investitionskosten von rund 7,5 Millionen Mark werden zu 40 Prozent von der Europäischen Union (EU) getragen. Die Bewag ist mit rund 2,5 Millionen an dem Projekt beteiligt, der Rest wird von den Partnern übernommen. Viel Lob bekam das Projekt von der Vertreterin des Bundeswirtschaftsministeriums, Christel Möller: "Die Bewag hat hier eine zweifache Pionierleistung vollbracht", sagte Möller "die internationale Kooperation für dieses Projekt ist genauso beispielhaft wie die Weiterentwicklung einer neuen Technologie". Im vergangenen Jahr habe man 12 Millionen Mark für die anwendungsorientierte Forschung bei der Brennstoffzelle bereitgestellt. An dem Bewag-Projekt habe man sich nicht beteiligt, da in diesem Fall die EU eingesprungen sei.

Einig waren sich die Energieexperten darüber, dass die neue Technologie von der Wirtschaftlichkeit noch weit entfernt ist. "Anlagen dieser Art werden sich frühestens im Jahr 2005 rechnen", so Klaus-Peter Müller. Er geht davon aus, dass in den kommenden Monaten trotzdem bis zu sechs weitere Anlagen dieser Art installiert werden. Sollte sich eine dezentrale Energieerzeugung auf Wasserstoffbasis durchsetzen, werde dies einen radikalen Wandel für die Energieversorger bedeuten.

Erster Weltingenieurtag in Hannover

Wann die Brennstoffzelle sich rechnen wird, hängt entscheidend von der Entwicklung in der Automobilindustrie ab. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp kündigte in Hannover auf dem 1. Weltingenieurtag an, dass die ersten Brennstoffzellen-Pkws im Jahr 2004 auf den Markt kommen sollen. "Die Brennstoffzelle hat das Potenzial zum Energieerzeuger der Zukunft", sagte Schrempp. Der Weltingenieurtag war vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der Expo 2000 GmbH anläßlich der Weltausstellung ins Leben gerufen worden.

Bis zum Mittwoch wird auf der Expo das Motto "Mensch-Natur-Technik" aus technologischer Sicht diskutiert. Die Lösung der Probleme dieser Welt könne nur gelingen, wenn auch die Weltingenieurgemeinde zusammenarbeitet und Prioritäten setzt, sagte VDI-Präsident Hubertus Christ. Schrempp nannte die Energiefrage eine Herausforderung für die Ingenieure, sich aktiv um die Lösung weltweiter Probleme zu kümmern.

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