Wirtschaft : Bewag kündigt einen drastischen Personalabbau an

BERLIN (dr). Der Personalabbau bei der Berliner Bewag AG nimmt dramatische Formen an. Wie der unter Preis- und Wettbewerbsdruck geratene Energieversorger am Mittwoch mitteilte, will das Unternehmen mit drastischen Stellenstreichungen die Kosten in den Griff bekommen. So soll die Zahl der Beschäftigten bis Mitte des Jahres 2002 von derzeit 8500 auf 4700 bis 4500 sinken. Kurz nach dem Mauerfall 1989 beschäftigte das Unternehmen noch fast 14 000 Mitarbeiter.

Durch das Programm sollen zusammen mit bereits laufenden Maßnahmen insgesamt Einsparungen von jährlich über einer Mrd. DM erreicht werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Um den Abbau möglichst sozialverträglich umzusetzen, soll die Altersgrenze für den Vorruhestand von 57 Jahre auf 55 Jahre gesenkt werden. Geplant sind Verbesserungen bei der Altersteilzeit, Arbeitszeitverkürzungen und Abfindungen. Mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten würden Gespräche geführt, teilte der Vorstand weiter mit. Man wolle alle personalwirtschaftlichen Instrumente unterhalb betriebsbedingter Kündigungen nutzen. Der Berliner stellvertretende ÖTV-Vorsitzende Ernst-Otto Kock bestätigte die Gespräche und erklärte, er rechne nicht mit Entlassungen.

Schwerpunkt des Arbeitsplatzabbaus wird der Kraftwerksbereich sein. Neben 1700 von derzeit 2700 Arbeitsplätzen in den Berliner Kraftwerken, die nach den jetzigen Plänen eingespart werden sollen, soll die Zahl der Mitarbeiter im Geschäftsbereich "Netze" um 800 und die Zahl der Mitarbeiter in der Verwaltung um rund 300 zurückgehen. Im Rahmen des neuen Kostensenkungsprogramms stünden zwar alle 13 Kraft- beziehungsweise Heizkraftwerke auf dem Prüfstand der Wirtschaftlichkeit. Eine endgültige Entscheidung über ihre teilweise beziehungsweise vollständige Stillegung könne aber erst nach Aufhebung der bestehenden Netzrestriktionen erfolgen. In diesem Zusammenhang betont die Bewag, sie trage mit den Maßnahmen dem seit über einem Jahr bestehenden offenen Strommarkt in Deutschland Rechnung. Dabei würden Fragen der Versorgungssicherheit und des Umweltschutzes zugunsten des Preises zunehmend an Bedeutung verlieren, wird kritisch angemerkt. Ziel des Programms sei es, die Zukunft der Bewag als Dienstleistungsunternehmen rund um die Energie mit Sitz und Kernmarkt in Berlin zu sichern. Erreicht werden soll dadurch ferner, daß das Unternehmen als Komplettanbieter für Strom, Wärme und Kälte Marktführer in Berlin bleibe. Im Berliner Strommarkt wolle die Bewag mindestens 80 Prozent Marktanteil halten, in Deutschland mindestens fünf Prozent erreichen. Künftig wolle die Bewag Strom und Energiedienstleistungen aber auch europaweit verkaufen. Die Bewag betont, sie habe bereits heute Kosteneinsparungen von jährlich 500 Mill. DM in allen Unternehmensbereichen weitgehend umgesetzt. Doch selbst Einsparungen in dieser Größenordnung reichten künftig nicht mehr aus, um die Benachteiligung von Betreibern von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen durch die Gestaltung des Energiewirtschaftsgesetzes sowie die historisch bedingten Nachteile der Energieerzeugung in Berlin auszugleichen. Zugleich betont der Energielieferant aber auch, es sei ihm gelungen, die Tarife für Haushaltskunden seit 1990 weitgehend stabil zu halten.

Auch der Berliner Versorger Gasag wird nach Informationen der "Berliner Morgenpost" in diesem Jahr mehr Personal abbauen als bisher geplant. Bis Jahresende sinke die Beschäftigtenzahl beim größten städtischen Gasversorger Deutschlands von jetzt 2361 auf rund 1800 Mitarbeiter, sagte Gasag-Personalvorstand Jörg Rommerskirchen. Das seien rund 400 Stellen weniger als noch im Mai geplant. Prominentester Aussteiger sei Technik-Vorstand Michael Burkowsky. Er gehe bereits Ende August in den Ruhestand, 15 Monate früher als geplant. Sein Posten werde gestrichen, die Gasag werde künftig nur noch drei Vorstände haben. Grund für den überraschenden Personalabbau sei, daß das interne Abfindungsangebot der Gasag auf große Resonanz stoße, hieß es. Von den 2361 Mitarbeitern hätten bis Ende Juni 440 "Aussteiger" einen Antrag gestellt. 402 Auflösungsverträge sind nach den Worten von Rommerskirchen bereits unterschrieben, nur elf Fälle seien abgelehnt worden. Bisher koste jeder Auflösungsvertrag die Gasag im Schnitt 176 000 DM, sagte Rommerskirchen.

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