Wirtschaft : Bewag-Streit: Eitelkeit verbraucht viel Energie

Antje Sirleschtov

Beim Monopoly ist es üblich, zu zocken, zu tricksen und zu bluffen, was das Zeug hält. Einer wird besonders gerissen sein, er wird die Schlossallee erbeuten und siegreich über alle anderen triumphieren. Gewiss, die Verlierer stehen am Ende mit leeren Händen da. Doch Monopoly ist ein Spiel, und beim nächsten mal winkt allen eine neue Chance. Verlieren tut da nicht weh.

Die Wirklichkeit indes versagt allzu oft den Verlierern eine gleichberechtigte Revanche. Denen, die - wie beim Streit um die Bewag - unmittelbar am Spiel beteiligt sind, kommt deshalb besondere Verantwortung zu. Für die Zukunft des eigenen Unternehmens, aber auch für die Mitarbeiter der Unternehmen im gegnerischen Spielfeld. Längst geht es bei den nun fast neun Monate währenden Kämpfen um die Bewag und die Veag nicht mehr darum, Unternehmen durch Fusion zu einem großen nord-ostdeutschen Stromkonzern gute Chancen im europäischen Wettbewerb zu verschaffen. Da, wo sich die Vorstände der Bewag, Dietmar Winje, des Hamburger Stromversorgers HEW, Manfred Timm, und ihre amerikanischen und schwedischen Eigner streiten, da überwiegt mittlerweile das Streben nach persönlicher Bestätigung. Da schwärzt man sich gegenseitig beim Kartellamt an. Da werden Zusagen und Unterschriften zu beliebigen Jokern eines juristischen Scharmützel. Und Verschlagenheit blüht zur Management-Tugend auf. Derweil rätseln mehr als 10 000 Mitarbeiter in Hamburg, Berlin und der Lausitz über die Perspektive ihrer Arbeit. Und sie fürchten nicht zu unrecht, dass aus dem erhofften schlagkräftigen Konzern am Ende nichts wird und sie wie nach einem verlorenen Monopoly mit leeren Händen da stehn. Denn das täte weh.

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