Wirtschaft : Bewag-Verkauf bringt neue Arbeitsplätze

Viag, Veba und Southern Company versprechen die Ansiedlung von Konzerntöchtern

Berlin (dw/dpa).Durch den Einstieg des US-Stromkonzerns Southern Company bei der Bewag könnte sich der Standort Berlin mittelfristig "zu einem zentralen europäischen Energiehandelsplatz entwickeln".Diese Hoffnung äußerte Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing am Dienstag nach der Senatssitzung, in der der Verkauf des landeseigenen Energieversorgers an das Bieterkonsortium Veba, Viag und Southern Company beschlossen worden war.Demnach übernimmt Southern zunächst 20,8 Prozent der Aktien.Die beiden deutschen Konzerne Veba und Viag kaufen jeweils 15 Prozent hinzu und erhöhen damit ihre Anteile an der Bewag auf jeweils 25 Prozent.Nach einer internenen Umschichtung soll jeder der drei Hauptaktionäre schließlich 23,6 Prozent der Aktien und 26 Prozent der Stimmanteile erhalten.Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt würdigte diese Lösung am Abend: "Die Tatsache, daß erstmals ein amerikanisches Unternehmen die unternehmerische Führung an einem inländischen Stromerzeuger erhält, ist ein ermutigendes Signal für die internationale Öffnung der Strommärkte." Er hoffe, daß nun bei der Vertragsgestaltung eine Lösung gefunden werde, die sowohl der wirtschaftlichen Zielsetzung der Beteiligten als auch dem Kartellrecht entspreche, sagte Rexrodt. Es sei angesichts der bevorstehenden Liberalisierung des Strommärkte unabdingbar gewesen, "zu einer strategischen Allianz mit einem internationalen Investor zu kommen", begründete Fugmann-Heesing die Verkaufsentscheidung am Dienstag."Der Wert des Bewag-Geschäfts", betonte die Finanzsenatorin, "erschöpft sich nicht allein im Kaufpreis." Am Kaufpreis von 2,9 Mrd.DM entzündete sich im Anschluß an die Senatssitzung jedoch die Kritik der Opposition.Die energiepolitischen Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen sprachen von einem "weiteren Akt in Berlins Trauerspiel der Ruinierung der öffentlichen Finanzen." Auch die PDS lehnt den Kaufpreis als zuniedrig ab.Fugmann-Heesing erklärte dazu, der Kaufpreis von 2,9 Mrd.DM liege erheblich über dem aktuellen Wert der Bewag-Aktien von zur Zeit 2,44 Mrd.DM.Die Äußerungen von verschiedenen Bankanalysten, der Wert der Bewag-Anteile berechne aus Substanz- und Ertragswert des Unternehmens und liege eigentlich bei 3,2 Mrd.DM, wurden von ihr nicht kommentiert. Stattdessen wies die Finanzsenatorin auf die mit den Käufern vereinbarten Zusatzleistungen hin, die in ihrer Summe einen zusätzlichen Wert von 290 Mill.DM ausmachten.Lob gab es daher von SPD-Chef Detlef Dzembritzky und dem Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen: Der Finanzsenatorin sei es gelungen, über den Kaufpreis hinaus "zusätzliche Unternehmungen der Anteilseigner nach Berlin zu holen." So hat sich der US-Konzern Southern Company im Kaufvertrag verpflichtet, Berlin als Zentrale künftig seine gesamten Aktivitäten in West- und Osteuropa auszubauen.Die Veba-Tochter PreussenElektra wird in Berlin eine Gesellschaft zur Vermögensverwaltung aufbauen, was zusätzlich Steuereinnahmen von rund 150 Mill.DM bedeutet.Die Viag beabsichtigt als "Mitgift" zum Kaufvertrag, ihr geplantes Regionalzentrum Telekommunikation auf rund 800 Arbeitsplätze zu erweitern.Dies wird nach Auffassung der Senatsverwaltung weitere 150 Mill.DM Steuereinnahmen für Berlin bedeuten.Dazu will die Viag ihr konzernweites Grundstücksmanagement nach Berlin verlagern und gemeinsam mit der Bewag eine Produktionsstätte für solarthermische Anlagen aufbauen."Der Bewag wird der ungehinderte Zugang zu allen Erzeugungs- und Absatzmärkten in Deutschland um im kontinentaleuropäischen Ausland ermöglicht", heißt es zudem in der Vereinbarung. Wie aus Atlanta (USA) bekannt wurde, hat Southern rund 830 Mill.Dollar (1,41 Mrd.DM) für das 23,6-prozentige Bewag-Aktienpaket bezahlt.Southern-Chef A.W.Dahlberg erklärte am Dienstag in Atlanta, der Bewag-Kauf sei "das mit Abstand wichtigste Investment, das eine amerikanische Gesellschaft je in der kontinentaleuropäischen Elektrizitätsindustrie gemacht hat." Die Beteiligung biete den Amerikanern die Möglichkeit im zweitgrößten integrierten Strommarkt der Welt teilzunehmen. "Der Abschluß der Privatisierung ist ein weiterer Meilenstein in der 113-jährigen Geschichte der Bewag", kommentierte Vorstandsmitglied Dietmar Winje das Ende der Verkaufsverhandlungen.Mit Southern beteilige sich ein neuer Aktionär, der jahrelange Erfahrung auf internationalen Energie-Wettbewerbsmärkten besitzt.Davon hoffe man genauso zu profitieren, wie von der verstärkten Beteiligung von Veba/PreussenElektra und Viag-Bayernwerk AG: "Wir gehen davon aus, an geeigneten nationalen und internationalen Aktivitäten dieser Gesellschaften in größerem Umfang als bisher partizipieren zu können." Kritik an der langen Dauer der Verkaufsverhandlungen wies die Finanzsenatorin am Dienstag zurück: "Der Zeitaufwand war geringer als bei vergleichbaren komplexen Unternehmensverkäufen in Deutschland", erklärte Fugmann-Heesing."Das gesamte Verfahren lag mit 16 Monaten an der unteren Grenze dessen, was üblicherweise für derartige Transaktionen veranschlagt werden muß."

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