Wirtschaft : Bewag will 1000 Arbeitsplätze zusätzlich abbauen

BERLIN (dw).Der Berliner Energieversorger Bewag will mehr Personal abbauen, als zunächst geplant: Neue Zielgröße seien 6300 Beschäftigte zum 1.Januar 2003, sagte Bewag-Sprecher Reinhard Heitzmann am Dienstag.Bisher war von einem Rückgang der Mitarbeiterzahl innerhalb der nächsten vier Jahre von derzeit 8600 auf 7300 ausgegangen worden.Dieser Abbau soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht werden.Auf die Frage, ob auch der zusätzliche Abbau von 1000 Arbeitsplätzen ohne Entlassungen bewerkstelligt werden könne, erklärte der Unternehmenssprecher: "Wir werden mit den innerbetriebelichen Partnern die Voraussetzung dafür schaffen, auch in Zukunft betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen."

Berlins stellvetretender ÖTV-Vorsitzender Uwe Scharf, der auch Aufsichtsratstmitglied der Bewag ist, sagte: "Wir gehen davon aus, daß betriebsbedingte Kündigungen vollständig ausgeschlossen werden." Scharf kritisierte, daß das Unternehmen die Möglichkeiten des neuen Energierechts, auch außerhalb Berlins Kunden zu werben, noch zu wenig genutzt habe.Auch beim Aufbau neuer Geschäftsfelder habe die Bewag bisherige Erwartungen enttäuscht.Es sei sehr stark anzunehmen, daß unproduktive Standorte geschlossen werden müßten und dies auf die Beschäftigung durchschlagen werde.Es sei davon auszugehen, daß auf Dauer nur drei Bewag-Standorte zu halten seien.Scharf warf dem Vorstand des vom amerikanischen Energiekonzern Southern Company geführten Konzerns vor, den Einstieg in den Stromhandel zu verschlafen und so weiter zurückzufallen.

Laut Heitzmann sind Betriebsrat, Gewerkschaften und Aufsichtsrat über die neuen Personalpläne bereits informiert.Mit denaktuellen Bestrebungen von Bewag-Großkunden, den Stromanbieter zu wechseln, hätten diese nichts zu tun.Die Pläne seien Ergebnis der vor Monaten begonnenen Standort- und Organisationsprüfungen.

Bewag-Sprecher Heitzmann kündigte an, daß die Bewag künftig auch außerhalb verstärkt Kunden werben wolle.Damit verabschiedete sich das Unternehmen von einer bislang eher defensiven Strategie: Bislang hatte das Unterenehmen erklärt, sich im Kerngeschäft auf Berlin zu beschränken und den Marktzutritt von Konkurrenten durch die Anwendung gesetzliche Schutzklauseln zu verhindern.Vorstandschef Prof.Dietmar Winje hatte auf der Hauptversammlung Mitte Dezember angekündigt, daß die Bewag Front gegen die Stromdurchleitung machen werde.Laut Gesetz kann diese verweigert werden, wenn Strom aus ostdeutscher Braunkohle oder aus Kraft-Wärme-Kopplung verdrängt würde.Nahezu alle Bewag-Kraftwerke arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.Die Bewag will die Durchleitung verweigern, wenn der wirtschaftliche Betrieb dieser Anlagen eingeschränkt wird.Winje hatte auch eingeräumt, daß die Bewag als bisheriger Alleinversorger in Berlin Marktanteile an andere Unternehmen verlieren werde.

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