Wirtschaft : Bewegung in der Branche - Der Strukturwandel eröffnet neue Chancen für Finanzdienstleister

Rolf Obertreis

Mit dem Zusammenschluss von Deutscher und Dresdner Bank entsteht ein Gigant, dem in Deutschland, aber auch weltweit niemand das Wasser reichen kann. Die Konkurrenz im Inland käme selbst bei einem Zusammenschluss nicht annähernd an diese Größenordnung heran. Die Konsolidierung des deutschen Finanzmarktes ist aber durch diesen Coup längst nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Die neue Bank gibt dem Umbau der Branche hierzulande einen neuen Anstoß.

Experten hatten den Strukturwandel längst als überfällig bezeichnet. Nun kommt er schneller und massiver als erwartet. Es werden viele Filialen geschlossen und Tausende von Stellen abgebaut. Aber in Deutschland gibt es schon seit Jahren zu viele Bankfilialen. Das macht die einzelne Niederlassung teuer und in den meisten Fällen unrentabel. Das Problem wird sich weiter verschärfen, weil Internet und E-commerce gerade im Finanzgeschäft bislang nicht geahnte, preisgünstige Möglichkeiten eröffnen. Deshalb wird es in Zukunft auch bei den Sparkassen und Volksbanken eine durchgreifende Marktbereinigung geben. Auch die Zahl der dort angesiedelten Filialen wird dramatisch schrumpfen.

Die Kunden werden sich umstellen müssen. König sind sie nur, wenn sie gutes Geld mitbringen. Nur dann können Banken und Sparkassen richtig verdienen. Aber immer noch kann jeder Kunde seine Bank genauso wechseln wie die Automarke.

Die Fusion eröffnet zugleich neue Möglichkeiten. Die Globalisierung setzt die Banken unter Druck. Wer bei der Verwaltung großer Vermögen und im Investmentbanking, also den Geschäften mit dem Management von Anleihen großer Konzerne, der Betreuung von Börsengängen und vor allem der Begleitung von Firmenkäufen und -fusionen vorne mitspielen will, muss groß und weltweit fest verankert sein. In diesem Segment wird in Zukunft das große Geld verdient. Gleichzeitig eröffnet die Bildung solcher Großbanken neue Chancen für kleine Unternehmen, sich in Nischen zu behaupten, für die die Großen zu starr sind.

Ob die Fusion von Deutscher und Dresdner ein Erfolg wird, ist nicht garantiert. Zwei von drei Zusammenschlüssen im Bankenbereich, das zeigen Untersuchungen, sind in jüngerer Zeit gescheitert oder haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Teils konnten sich die Manager nicht einigen, teils war es schwierig, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen auf einen Nenner zu bringen. Auch Deutsche und Dresdner sind höchst verschieden strukturierte Gesellschaften. Doch haben sie - anders als etwa Vodafone und Mannesmann - den Vorteil, aus dem gleichen Land zu stammen. Ob eins und eins wirklich zwei oder sogar drei ist, müssen sie noch beweisen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben