Wirtschaft : Bewerbung per Mausklick

Moderne Stellenbörsen: Online-Netzwerke wie Xing und Linked-In können bei der Jobsuche helfen. Für wen es sich lohnt, sich einzuklicken

Stephan Lamprecht
Auf der Suche im Web. Über Online-Netzwerke lässt sich schnell Kontakt zu Firmen herstellen. Foto: dpa-tmn
Auf der Suche im Web. Über Online-Netzwerke lässt sich schnell Kontakt zu Firmen herstellen. Foto: dpa-tmnFoto: dpa-tmn

Noch nie war Bewerben so einfach wie heute. Statt Stellenanzeigen zu durchsuchen und etliche Anschreiben an Firmen zu versenden, genügen im Netz manchmal ein paar Mausklicks, um sich zu bewerben: In Business-Netzwerken wie Xing und Linked-In etwa können Mitglieder gezielt nach passenden Angeboten suchen und sich schnell mit Firmen in Verbindung setzen. Das eigene Profil, in dem Nutzer ihre Abschlüsse und Berufserfahrung auflisten, ist wie eine Bewerbung, die sich Unternehmen im Netz anschauen können. Doch für wen lohnt es sich, in sozialen Netzwerken auf Jobsuche zu gehen?

STELLEN AUS MARKETING UND IT

Xing (www.xing.com) und Linked-In (www.linkedin.com) liefern sich in Deutschland einen intensiven Wettbewerb um die Mitglieder. Beide bieten einen Stellenmarkt, in dem Unternehmen Angebote einstellen können. Meist genügt ein Mausklick, um sich direkt beim Personalverantwortlichen zu bewerben. Die meisten Stellen, die dort angeboten werden, stammen aus mittleren bis höheren Hierarchiestufen. Schwerpunktbranchen sind IT, Kommunikation, Marketing und der kaufmännische Bereich. Xing-Mitglieder erhalten regelmäßig Jobempfehlungen, die zum eigenen Profil passen könnten. Und auch Selbstständigen bieten sich in den vielen Gruppen und Foren gute Möglichkeiten, neue Aufträge zu ergattern. Bei Stellenangeboten im deutschsprachigen Raum hat Xing die Nase vorn, meint Lutz Altmann, Geschäftsführer der Personalberatung Humancaps Consulting. Für Jobs auf internationaler Ebene eignet sich auch Linked-In. Der Service der Business-Netzwerke ist aber nicht umsonst. Zwar können Nutzer kostenlos ein Profil anlegen. Wer aber alle Funktionen uneingeschränkt nutzen will, muss zahlen. Jobsuchende, die sowohl bei Xing und Linked-In Mitglied sein wollen, müssen dafür im Monat 20 Euro investieren.

PROFESSIONELLES PROFIL

Wie in allen sozialen Netzwerken ist auch bei Xing und Linked-In die persönliche Profilseite das wichtigste Element. Hier zeigen die Mitglieder die Stationen des bisherigen Karrierewegs und ihre persönlichen Qualifikationen. Anders als bei Facebook oder den VZ-Netzwerken geht es hier aber nicht um persönliche Interessen oder eine möglichst lässige Erscheinung. Wer ernsthaft auf der Suche nach neuen beruflichen Chancen ist, sollte sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Zu viele Randbemerkungen lenken ab und verwässern das Profil des Kandidaten, sagt Ursula Thieme, die sich vor 14 Jahren als Karriereberaterin und Autorin selbstständig gemacht hat.

KEINE ERFOLGSGARANTIE

„Mein Traumjob hat mich gefunden“, verspricht Xing zwar bereits auf seiner Startseite. Aber ob ein Headhunter tatsächlich einen Kandidaten aus den Millionen Mitgliedern herausfischt, wissen nicht einmal Experten. Derzeit gibt es noch keine verlässlichen statistischen Auswertungen darüber, wie hoch der Anteil erfolgreich über die Plattformen vermittelter Jobs ist, weiß Thieme.

FACEBOOK WIRKT INDIREKT

Beziehungen sind gerade bei der Jobsuche nützlich. Hier kann auch das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook helfen. Zwar hält Expertin Thieme es für eine ernsthafte Jobsuche und Personalarbeit für ungeeignet. Doch Facebook bietet etwa eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, Freunde und Bekannte über die eigenen Wechselpläne zu informieren. Auch Lutz Altmann sieht Facebook eher als indirektes Mittel für die Jobsuche: Schafft es der Bewerber etwa über offizielle Unternehmensseiten, einen persönlichen Kontakt mit den Botschaftern der Firma aufzubauen, ergeben sich aus dieser unmittelbaren Kommunikation Möglichkeiten, auch über offene Stellen und Karrierechancen Informationen zu erhalten. Ebenfalls indirekt können Absolventen und Studierende geschlossene Benutzergruppen ihrer Hochschulen (Alumni) nutzen. Viele Universitäten sind inzwischen mit solchen eigenen Bereichen in Business-Netzwerken vertreten. Dort lassen sich nicht nur bereits bestehende Kontakte weiter pflegen und vertiefen. Häufig helfen sich die Mitglieder auch mit Hinweisen auf offene Positionen, die anders nur schwer zu finden wären.

TWITTER ALS SUCHMASCHINE

Als „Medium für wenige, die über ein gutes Kontaktnetzwerk verfügen“ beschreibt Personalberater Altmann den Kurznachrichtendienst Twitter. Der Anbieter verfügt über eine eigene Suchseite (http://search.twitter.com/advanced), mit der sich aus den Nachrichten (Tweets) gezielt Mitteilungen herausfiltern lassen. Täglich fördert die Suche nach dem Stichwort „Jobs“ auch einige Stellenangebote auf den Bildschirm.

NETZWERKE ALS ERGÄNZUNG

Die sozialen Netzwerke lösen die klassische Bewerbung aber nicht ab. Die Informationen auf den Profilseiten der Kandidaten werden nach Einschätzung von Expertin Thieme von Personalentscheidern in Unternehmen lediglich als sinnvolle Ergänzung gesehen. Sie runden das Bild ab, das sich aus der Bewerbung ergibt. Und Altmann gibt zu bedenken, dass sich Netzwerke längst nicht für jedes Aufgabenfeld und jede Hierarchiestufe eignen. Einen Versuch ist die Jobsuche im sozialen Netzwerk aber auf jeden Fall Wert.

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