Bewusstseinswandel : Siemens-Chef wirbt für Energiewende

Es ist das erste Mal überhaupt, dass Siemens-Chef Löscher persönlich auf einer Anzeige des Unternehmens zu sehen ist. Bei allem Kalkül illustriert die Kampagne einen Wandel.

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Peter Löscher sieht in der Energiewende Chancen für Siemens.
Peter Löscher sieht in der Energiewende Chancen für Siemens.Foto: dpa

Im Sommer vor zwei Jahren startete RWE-Chef Jürgen Großmann eine Anzeigenkampagne gegen den Atomausstieg. 40 große Namen der Wirtschaft – nicht nur aus der Energiebranche – standen als Erstunterzeichner darunter, von Josef Ackermann über Rüdiger Grube bis Werner Wenning. Siemens-Chef Peter Löscher fehlte, obwohl er gefragt worden war. Jetzt, ein Jahr nach Fukushima und dem Beschluss der Bundesregierung, den Atomausstieg zu beschleunigen, meldet er sich zu Wort – mit einer Anzeigenkampagne an diesem Wochenende.

Seine Botschaft: Die Energiewende sei richtig, sie könne gelingen und sogar einen richtigen Innovationsschub auslösen. Es fehle auch weder an technischem Wissen noch an Kapital. Aber die Planung müsse straffer werden, um eine neue Strominfrastruktur zu schaffen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Löscher persönlich auf einer Anzeige des Unternehmens zu sehen ist. Natürlich ist die Energiewende für Siemens eine große wirtschaftliche Chance: Die Energiesparte des Konzerns trägt zuletzt mit 27,6 Milliarden Euro mehr als ein Drittel zum gesamten Jahresumsatz bei.

Und dennoch illustriert die Kampagne einen Wandel. Damals behielt Löscher für sich, dass er sich dem Pro-Atomkurs der deutschen Wirtschaft verweigert hatte, jetzt wirbt er offensiv damit.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, ist ein anderes Beispiel für den Wandel: Vor zwei Jahren war er einer der 40 Erstunterzeichner, heute unterstützt er die Energiewende. „Der Ausstieg aus der Kernenergie war eine gesellschaftspolitische Entscheidung, die ich nicht infrage stelle“, sagte er Ende Februar in einem Tagesspiegel-Interview. Zudem eint Keitel und Löscher die Sorge, die Wende werde unsystematisch und zu langsam organisiert.

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