Wirtschaft : Bezahlen im Ausland: Wenn der Euro kommt, muss der Euroscheck gehen

Tom Schoenenberger

Wenn es um deutsche Kultgegenstände der vergangenen Jahrzehnte geht, darf der Euroscheck nicht fehlen. Jenes blaue Stück Papier mit edlem Linienmuster, das den Bezahler im Ausland untrüglich als deutschen Touristen entlarvt. Doch mit der endgültigen Umstellung auf die EU-Währung sind auch die Tage des Euroschecks und der EC-Karte gezählt.

Sie sind ohnehin etwas aus der Mode geraten: Während vor zehn Jahren noch 40 Millionen Euroschecks im Ausland eingelöst wurden, sind es in diesem Jahr nach einer Prognose der EC-Dachorganisation Europay nur noch sechs Millionen. Seit Kreditkarten immer günstiger geworden sind und Zahlungen innerhalb der Euro-Länder von vielen Kartenanbietern kostenlos durchgeführt werden, haben die Euroschecks ihre einstige Monopolstellung verloren.

Hinzu kommt: Während eine Scheckzahlung von Hand erfasst wird und damit teuer ist, können Kartenzahlungen vollelektronisch eingelesen und weiterverarbeitet werden. Ab dem 1. Januar 2002 entfällt zudem die Bankgarantie in Höhe von 400 Mark pro Scheck. Damit wird der Euroscheck dem normalen Bar- oder Verrechnungsscheck gleichgestellt. Bis Ende 2002 sollen Euroschecks noch als herkömmliche Schecks verwendet werden können, dann verschwinden sie für immer von der Bildfläche. Schon jetzt akzeptieren Banken in Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien und Irland überhaupt keine Euroschecks mehr zur Barauszahlung.

Pikanterweise war es ausgerechnet die zum Euroscheck gehörende EC-Karte, die den Scheck verdrängt hat. Im europäischen Ausland gibt es kaum noch einen Geldautomaten, an dem man nicht mit der EC- oder Kreditkarte Bargeld ziehen kann. Gleichzeitig wird die EC-Karte aufgewertet. Schon heute werden EC-Karten-Transaktionen über das Maestro-Zahlungssystem verwaltet. Auf dieser Basis sollen die Funktionen des Plastikkärtchens über das bloße Geldabheben hinaus weiter ausgebaut werden, etwa in Handel und Gastronomie. Damit dürfte den Kreditkartenanbietern ein ernsthafter Wettbewerber erwachsen.

Die Neuausrichtung der in Deutschland immerhin in 73 Millionen Exemplaren verbreiteten EC- und Maestro-Karte will der Sparkassen- und Giroverband gleich für einen Angriff auf die Kartenkonkurrenz nutzen. Die neue Maestro-Karte soll bald wie eine Kreditkarte eingesetzt werden können.

Wer im diesjährigen Sommerurlaub noch Euroschecks verwendet, sollte sich langsam mit anderen Zahlungsmitteln anfreunden. Reiseschecks wird es weiterhin geben. Sie sind sehr sicher und können weltweit eingelöst werden. Allerdings muss der Kunde den Gesamtbetrag der Schecks vorstrecken, wenn er sie kauft. Bargeld bei Bedarf gibt es an europäischen Geldautomaten entweder mit der EC-Karte oder mit einer Kreditkarte.

Als wenig sinnvoll betrachten Experten das Ersetzen der Euroschecks durch Bargeld. Allzu leicht kann im Urlaub das Auto aufgebrochen oder die Tasche gestohlen werden. Während Kreditkarten, EC-Karten und Reiseschecks umgehend gesperrt und damit die finanziellen Schäden auf ein Minimum reduziert werden können, bleibt das Bargeld meist auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

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