Wirtschaft : Bezahlung nach Erfolg

Gewerkschaften und Betriebsräte fordern neue Regeln für Managergehälter

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Berlin Betriebsräte und Gewerkschafter fordern neue Regeln bei der Festsetzung von Managergehältern. Mit Unterstützung der Gewerkschaftszentralen wollen die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten verstärkt für klare Erfolgskriterien in den Vergütungssystemen streiten. In den Aufsichtsräten von Daimler-Chrysler, Opel und anderen großen Aktiengesellschaften rumort es bereits.

„Ich gehe davon aus, dass die Arbeitnehmervertreter künftig deutlich mehr gegen Fehlentwicklungen ausrichten werden“, sagte Dietmar Hexel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) dem Handelsblatt. Unter anderem plant der DGB Ende September eine Arbeitnehmerkonferenz für Aufsichtsräte von Dax- und M-Dax-Unternehmen, auf der die Beratung zu Vergütungsfragen ein Schwerpunkt sein soll. Auch IG- Metall-Vize Berthold Huber kündigte an, die bisherige Zurückhaltung in den Aufsichtsräten aufzugeben und mit einer „deutlichen Stimme“ zu sprechen. Nach den Debatten über den Mannesmann-Prozess und die Vergütung bei Daimler-Chrysler müssen sich die Manager nun auch intern auf eine kritische Auseinandersetzung um ihre Gehälter einstellen.

Dabei legt der DGB Wert darauf, Vergütungsdebatten nicht einfach unter dem Neidaspekt zu führen. „Der Kern des Problems ist nicht die bloße Höhe der Gehälter, sondern die Tatsache, dass die Vergütungen auf fehlerhaften Zielvorgaben aufbauen“, betont Hexel. Statt kurzfristiger Finanzmarktkennziffern müsse „die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung“ in den Mittelpunkt gerückt werden.

„Das Verhältnis von fixen und variablen Gehaltsanteilen muss neu diskutiert werden“, fordert auch Roland Köstler, Mitbestimmungsexperte der Gewerkschafts-nahen Hans-Böckler-Stiftung.

Bei Klaus Franz, Gesamtbetriebsratschef beim Autohersteller Opel, rennt er damit offene Türen ein. „Im Topmanagement muss sich die Bezahlung stärker am Erfolg orientieren“, fordert er. „Das werden wir zum Thema machen.“ Franz gehört auch dem Aufsichtsratspräsidium an, das über die Vorstandsbezüge bei Opel entscheidet.

Nach Ansicht von Hexel bessert sich die Lage überdies in dem Maße, wie Unternehmen dem Transparenzgebot des vor zwei Jahren beschlossenen Corporate-Governance-Kodexes folgen und ihre Vorstandsbezüge individuell ausweisen. Denn so verliere die Kapitalseite den Anreiz, Vergütungsfragen offener Erörterung zu entziehen. Da die Anwendung des Kodexes freiwillig ist, wünscht sich Gewerkschafter Hexel mehr Verbindlichkeit durch eine gesetzliche Transparenz-Regelung. HB

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