Wirtschaft : BFA – Deutschlands teuerste Behörde

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Auf 364000 Quadratmetern, das entspricht der Fläche von rund 52 Fußballplätzen, arbeiten rund 26000 Menschen – oder auch fast 28000. „Das hängt von der Zählweise ab“, sagt Rainer Helbing, Sprecher der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), der größten Einzelbehörde der Republik. In die zweite Zahl sind beispielsweise auch Mütter im Mutterschaftsurlaub und Mitarbeiter im unbezahlten Urlaub eingerechnet. Auf Vollzeitarbeitsplätze umgerechnet, kommt man auf etwa 22000. Allein die Flure vor ihren Büros sind zusammen fast 40 Kilometer lang.

Hauptsitz der BfA ist seit 1953 Berlin, Fehrbelliner Platz – ein Amt mit eigenem UBahn-Anschluss, denn dort kreuzen sich die Linien 1 und 7. Im Hauptgebäude im ersten Stock findet sich ein Beratungszentrum mit 65 Plätzen, das täglich gut besucht ist. Rechnet man die Besucher in den BfA-Dependancen in Gera, Stralsund und Brandenburg/Havel hinzu, kommen jährlich 4,6 Millionen Menschen, die sich über ihre Rente informieren wollen. Die anderen bekommen die Nachrichten per Post. Täglich verlassen 80000 Briefe, Bescheide und Broschüren das Haus. Im Gegenzug bringt die Post 50000 Sendungen. Per E-Mail werden am Tag nochmals 1500 Nachrichten gesendet. Vom Fehrbelliner Platz aus wird beinahe jeder zweite deutsche Arbeitnehmer betreut. 25 Millionen Versicherte zählt die BfA zu ihren Kunden, 9,16 Millionen Renten werden ausgezahlt. Jährlich werden 800000 neue Renten-Anträge gestellt, 700000 Reha-Anträge gehen ein.

Büro mit eigenem U-Bahn-Anschluss

Auf die Frage, was dies alles kostet, reagiert Pressesprecher Rainer Helbing vorsichtig. Die BfA ist ein gebranntes Kind, wird ihr doch immer wieder vorgeworfen, als Mammutbehörde nicht effektiv genug zu arbeiten. Zudem gibt es immer wieder Versuche der Bundesländer, einen Teil der BfA in ihr „Hoheitsgebiet“zu verlagern. Das brächte Jobs und Teilhabe am Haushalt der BfA. Und der wird – so die Planung– in diesem Jahr um sechs Milliarden Euro auf die imposante Höhe von 125,2 Milliarden Euro steigen.

Rund 1,87 Milliarden Euro oder 1,6 Prozent dieses Haushalts werden für die Verwaltung ausgegeben. 1,1 Milliarden Euro werden als Personalausgaben, weitere 700 Millionen als personalbezogene Sachausgaben ausgewiesen. Fast neun Millionen erhalten die BfA-Versicherungsberater, für Vorstand und Vertreterversammlung sind 455000 Euro eingeplant. Doch Helbing fügt eilig hinzu, „mit 1,6 Prozent liegen wir weit besser als alle privaten Versicherer“. Die Allianz Group gibt ihre Verwaltungsaufwendungen im Bereich Lebensversicherung mit 2,3 Prozent der Brutto-Beitragseinnahmen an, Durchschnitt bei den Lebensversicherern sind 3,5 Prozent. Kritiker sagen, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Und Allianz-Sprecher Oliver Santen wendet ein, „wir haben Abschlusskosten und eine viel größere Produktvielfalt“. dr

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