Wirtschaft : BGA erwartet im Jahr 2000 Ausfuhren von mehr als einer Billion Mark / Günstige Wechselkurse

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Die deutschen Exporte ziehen wieder kräftig an. Noch für dieses Jahr erwartet der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) ein Plus von zwei Prozent und für das Jahr 2000 sogar einen Zuwachs von 5,5 Prozent auf dann 1027 Milliarden Mark. Deutschland werde damit bei den Ausfuhren erstmals die "Schallmauer" von einer Billion Mark bei den Exporten durchbrechen und mit einem gesamten Außenhandelsvolumen (Im- und Exporte) von 1918 Milliarden Mark wieder die zweitgrößte Welthandelsnation hinter den USA sein, sagte BGA-Präsident Michael Fuchs am Montag in Berlin. Gleichwohl warnte er vor Euphorie. "Die günstigen Wechselkursrelationen zum Dollar können sich jederzeit umkehren", sagte Fuchs. Die Binnenkonjunktur würde einen Rückschlag bei den Exporten nicht auffangen.

Vorerst sorgen die Auftragseingänge aus dem Ausland aber für eine "positive Grundstimmung" in den Betrieben. Von den Rückschlägen im Gefolge der Asienkrise hätten sich die Unternehmen nach einem noch von Minusergebnissen geprägten ersten Halbjahr - die Exporte lagen um 0,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, die Importe um 1,2 Prozent - im Verlauf des zweiten Quartals "allmählich freischwimmen" können, sagte Fuchs. Laut einer Umfrage des BGA im September erwarten mittlerweile 68 Prozent seiner Mitgliedsfirmen eine kräftige Belebung des Welthandels in den kommenden Monaten, nur 28 Prozent rechneten mit einer Stagnation.

Positive Signale gebe es vor allem aus den Nachbarstaaten der Europäischen Union, aber auch aus Asien: Die deutschen Lieferungen nach Japan legten im ersten Halbjahr um 5,1 Prozent zu - bedingt allerdings auch durch die günstigen Währungsrelationen. Einen deutlichen Rückschlag verzeichnete unterdessen der Russland-Handel. Die deutschen Exporte gingen im ersten Halbjahr um 53 Prozent zurück.

Scharf kritisierte Fuchs unterdessen das Ausbleiben grundlegender Reformen in Deutschland. Mit hohen Steuern und Abgaben, Regulierungen und "vorsintflutlichen Arbeitsmarktstrukturen" schrecke die Bundesrepublik ausländische Investoren ab und verliere im internationalen Standortwettbewerb weiter an Boden. 1998 investierten deutsche Unternehmen 148 Milliarden Mark im Ausland, die Auslandsinvestitionen in Deutschland erreichten dagegen nur 35 Milliarden Mark - ein Niveau, das etwa auch die Niederlande verbuchten. Dementsprechend pessimistisch schätzt Fuchs die weitere Konjunkturentwicklung in Deutschland ein: Für 1999 erwartet er eine Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes von 1,2 Prozent und für 2000 von "bestenfalls zwei Prozent".

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