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BGH-Urteil : Kein Schadensersatz für Lehman-Anleger

Schlappe für Lehman-Anleger: Drei Jahre nach der spektakulären Pleite der US-Bank hat der Bundesgerichtshof erstmals Ansprüche auf Schadensersatz verhandelt und ein wegweisendes Urteil gefällt.

Die Anleger der Pleitebank Lehman Brothers haben keinen Anspruch auf Schadenersatz. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden.
Die Anleger der Pleitebank Lehman Brothers haben keinen Anspruch auf Schadenersatz. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden.Foto: dpa

Richtungsweisendes Urteil für Kleinanleger der Pleite-Bank Lehman Brothers: Der Bundesgerichtshof (BGH) wies ihre Schadensersatzklagen ab. Die Anleger seien beim Kauf von Wertpapieren nicht unzureichend oder falsch beraten worden, entschied der Bundesgerichtshof am Dienstag. Deshalb hätten sie keinen Anspruch auf Rückzahlung des investierten Geldes. Die Hamburger Sparkasse habe beim Verkauf ihre Beratungspflichten nicht verletzt, hieß es in dem Urteil (Az. XI ZR 178/10 und XI ZR 182/10). Die Kläger zeigten sich tief enttäuscht.

Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank im September 2008 sei nicht vorhersehbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Wiechers bei der Urteilsbegründung. Auch hätte die Sparkasse die Anleger nicht über ihre Gewinnmarge beim Verkauf informieren müssen.

Die beiden Anleger hatten auf Empfehlung der Hamburger Sparkasse jeweils für 10 000 Euro sogenannte Zertifikate gekauft, die von Lehman herausgegeben wurden. Die Höhe und der Zeitpunkt der Rückzahlung sollte von der Entwicklung bestimmter Aktien abhängen. Als Lehman Brothers im September 2008 pleiteging, wurden die Papiere weitgehend wertlos. Die Anleger verklagten ihre Sparkasse, weil diese sie nicht ausreichend über die Risiken sowie den eigenen Gewinn beim Verkauf der Produkte aufgeklärt habe.

Der Vorsitzende Richter betonte, dass die Entscheidung zunächst vor allem die beiden entschiedenen Einzelfälle betreffe. „Die Dinge können sich in anderen Fällen anders darstellen.“ Vor allem sei eine Vielzahl unterschiedlicher Lehman-Zertifikate verkauft worden. Insgesamt sind derzeit allein beim BGH 40 weitere Verfahren um Ansprüche von Lehman-Anlegern anhängig. Die nun entschiedenen Fälle hätten „eine gewisse Pilotfunktion“, sagte Wiechers. Allerdings seien in jedem Einzelfall die genauen Umstände der Beratung zu berücksichtigen.

Die Lehman-Geschädigte Brigitte Krupsky, eine Klägerin, zeigte sich nach ihrer Niederlage vor dem BGH enttäuscht: „Ich bin sehr traurig und auch wütend, dass die Bank in allen Punkten recht bekommen hat“, sagte Krupsky der dpa. „Ich finde es schon bitter und hätte mir in dieser Zeit ein Grundsatzurteil für alle Geschädigten gewünscht, die ja große Hoffnungen in diesen Prozess gesetzt haben.“ Krupsky hatte mit ihrem mittlerweile gestorbenen Mann Bernd auf Anraten der Hamburger Sparkasse 10 000 Euro in Lehman-Zertifikate investiert und durch die Insolvenz der Bank verloren.

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