Wirtschaft : BGH-Urteil: Zweite Chance

Erwachsene Kinder können von ihren Eltern unter bestimmten Voraussetzungen auch nach einem Abbruch ihrer Ausbildung Unterhalt für ein neu begonnenes Studium verlangen. Nach einem am Mittwoch verkündeten Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe ist dies dann der Fall, wenn der junge Mensch zielstrebig seinen Berufswunsch verfolgt und die abgebrochene mit der neuen Ausbildung in sachlichem Zusammenhang steht (Aktenzeichen: XII ZR 81 / 99 vom 14. März 2001).

Mit dieser Begründung hob der BGH ein Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts (OLG) auf, das die Unterhaltsklage einer 1970 geborenen Frau gegen ihren Vater abgewiesen hatte. Sie hatte ihre Ende 1992 begonnene Ausbildung zur Heilpraktikerin nach anderthalb Jahren abgebrochen und - nach einem kurzen Intermezzo als Schreibkraft - im April 1995 ein Medizinstudium aufgenommen. Das OLG muss nun erneut entscheiden. Nach den Worten des XII. BGH-Zivilsenats ist einem jungen Menschen zuzubilligen, dass er sich bei der Wahl seiner Ausbildung einmal irrt. Je früher der Wechsel der Ausbildung vollzogen werde, desto eher sei er zu akzeptieren. In diesem Fall sei der Frau keine Verzögerung vorzuhalten, weil sie sich rasch zum Eignungstest angemeldet und daraufhin das Studium aufgenommen habe.

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