Wirtschaft : BHW zeigt Postbank die kalte Schulter

Partnerschaft abgelehnt / Auch Anteile an DSL Bank abgestoßen

HANNOVER/HAMELN (dpa).Der Baufinanzierer BHW wird keine Kooperation mit der Postbank eingehen und legt damit auch Pläne für eine Beteiligung an dem noch bundeseigenen Geldhaus ad acta."Wir haben entschieden, einen Schlußstrich unter die Gespräche mit der Postbank und Bonner Entscheidungsträgern zu ziehen", sagte der Vorstandsvorsitzende der BHW Holding AG, Reinhard Wagner, am Dienstag in Hannover.Die Deutsche Postbank AG habe eine Zusammenarbeit von Vorgaben abhängig gemacht, die "weder akzeptabel noch erfolgversprechend" gewesen seien.Branchenkreise gehen davon aus, daß jetzt Wüstenrot bei der Postbank zum Zuge kommen wird.Die Bausparkasse galt bereits seit längerem neben BHW als aussichtsreichster Kandidat für eine Partnerschaft mit der Postbank. Auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zeigte sich Wagner vom Verlauf der Verhandlungen enttäuscht.In Bonn erwarte man, daß der künftige Partner "in der Außendarstellung praktisch nicht mehr in Erscheinung tritt", kritisierte er.So wären Produkte des BHW zur "weißen Ware" degradiert worden, da sich der Baufinanzierer an den Hauptvertriebspunkten der Postbank, den Schaltern der Deutschen Post AG, werblich nicht hätte präsentieren dürfen.Wagner kritisierte außerdem den Bonner Wunsch, den Vertrieb des neuen Partners zum Teil in die Steuerungsorganisationen von Post und Postbank einzubeziehen.Diese Vorstellung habe den Vorgaben aus Bonn "die Krone aufgesetzt". Ein Sprecher der Postbank sagte auf Anfrage: "Wir bedauern, daß BHW aus dem Rennen gegangen ist, zumal der Auswahlprozeß noch nicht abgeschlossen war." Welche Folgen dies haben werde, lasse sich noch nicht absehen.Aus Branchenkreisen hieß es unterdessen, nach dem BHW-Ausstieg laufe alles auf Wüstenrot zu.Außer diesen beiden Unternehmen seien nur noch kleinere Bausparkassen im Gespräch gewesen.Außerdem wurde darauf hingewiesen, daß demnächst eine Kooperation zwischen Wüstenrot und der Allianz-Versicherung auslaufe.Damit werde die Bausparkasse Vertriebspersonal frei haben, das in die Steuerungsorganisation der Postbank eingebunden werden könnte. Die Postbank ist mit rund elf Millionen Kunden eine der größten Privatkundenbanken Deutschlands.Sie gehört derzeit noch zu 100 Prozent dem Bund, soll aber zügig privatisiert werden.In einem ersten Schritt sollen Produktpartnern für den Verkauf von Bausparverträgen und Lebensversicherungen jeweils 15 Prozent der Anteile angeboten werden.Die Auswahl der Teilhaber soll bis Mitte September abgeschlossen sein. Die im April an die Börse gegangene BHW-Holding finanziert derzeit etwa jedes zehnte Bauvorhaben in Deutschland.Nach der Absage an die Postbank will BHW andere "chancenreiche Kooperationen" ausbauen.In diesem Zusammenhang nannte Wagner auch das Ziel, den BHW-Anteil an der Allgemeinen Hypothekenbank AG von derzeit 40 auf 50 Prozent zu erhöhen.Dagegen habe BHW an der Deutschen Siedlungs- und Landesrentenbank (DSL) kein strategisches Interesse mehr und in den vergangenen Wochen seinen Restanteil von gut 20 Prozent an diverse deutsche Banken veräußert.Ob die Kreditinstitute die DSL-Anteile an die Postbank weiter veräußern wollten, wisse er nicht, sagte Wagner.Postbank und DSL verhandeln bereits seit zwei Jahren über eine Zusammenarbeit.

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