Wirtschaft : Biene Maja wird verkauft

Der Medienkonzern EM.TV will die Entertainment-Sparte abstoßen und voll auf das Sportgeschäft setzen

-

Berlin - Ungewisse Zukunft für Biene Maja und Co: Das Medienunternehmen EM.TV, groß geworden mit dem Verkauf von Fernsehrechten für Zeichentrick- und Kinderfilme, will seine komplette Entertainment-Sparte abstoßen und sich künftig allein auf Sportmedien konzentrieren. Der Umsatzbeitrag der zu verkaufenden Kinder- und Jugendsparte sei „Jahr für Jahr rückläufig“ gewesen, begründete Vorstandschef Werner E. Klatten während einer Telefonkonferenz am Dienstag den Ausstieg aus dem Handel mit Fernsehserien wie „Biene Maja“, „Heidi“, „Tabaluga“, „Pippi Langstrumpf“ und „Wickie“. Im vergangenen Jahr hatte die Unterhaltungssparte noch 13, im ersten Quartal 2007 nur noch neun Prozent des Gesamtumsatzes von EM.TV ausgemacht.

Der europäische Markt für Kinder- und Jugendprogramme sei „übersättigt“, zudem sei die Nachfrage in diesem Bereich „auch aus demografischen Gründen“ rückläufig, erklärte Klatten weiter. Hinzu komme die Verdrängung von Jugendunterhaltung aus der Programmgestaltung der großen Sender hin zu Spartenkanälen. Aufgrund dieser Marktentwicklungen werde sich die EM.TV AG von der Entertainment-Sparte trennen und sich bei der nächsten Hauptversammlung Ende Juni in EM.Sport Media AG umbenennen. „Die notwendige Weiterentwicklung des Unterhaltungsbereichs würde ein hohes Maß an finanziellen und personellen Ressourcen innerhalb des Konzerns binden“, sagte Klatten. Die Fokussierung auf das Segment Sport verspreche eine höhere Wertsteigerung für EM.TV. Als weitere Konsolidierungsmaßnahme kündigte Vorstandschef Klatten an, den Konzernsitz vom Münchner Stadtrand ins städtische Umland nach Ismaning zu verlegen.

Der Verkaufsprozess für die Unterhaltungssparte soll unverzüglich beginnen und innerhalb der nächsten zwölf Monate abgeschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Interessenten für die EM.TVTöchter Junior.TV und EM.Entertainment gebe es bereits, verriet Klatten. Ohne konkrete Namen zu nennen, spielte er auf mögliche Interessenten aus dem Medienbereich an: „In unserer Branche spricht jeder mit jedem.“ Den Bilanzwert der Unterhaltungssparte bezifferte der Vorstandsvorsitzende auf rund 80 Millionen Euro. „Das ist sicher eine Orientierungsmarke für den Verkaufspreis“, sagte Unternehmenssprecher Frank Elsner dem Tagesspiegel. Den Verkaufserlös will das Unternehmen vor allem für Investitionen im Bereich Internet einsetzen, wo EM.TV das Portal „Sport 1“ betreibt. „Die relativ stärksten Steigerungen wird es online geben“, sagte Klatten. „In diesem Bereich ist die größte Dynamik.“

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung korrigierte der Vorstandsvorsitzende die Konzernziele für das Jahr 2007 nach unten. Statt der bislang anvisierten 250 Millionen Euro strebt EM.TV ohne seine Unterhaltungssparte im kommenden Jahr nur noch einen Umsatz von 215 Millionen Euro an. Beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wurde die Prognose von 36 bis 40 Millionen auf 25 bis 29 Millionen Euro korrigiert, beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 14 bis 16 Millionen auf zwölf bis 14 Millionen. Sollte die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal allerdings erneut die Erwartungen übertreffen, so Klatten weiter, könnten die Konzernziele im Laufe des Jahres wieder nach oben korrigiert werden. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte sich der Konzernumsatz auf 60,3 Millionen Euro (Vorjahr: 60,1) und das Ebitda auf 10,3 Millionen Euro (Vorjahr: 7,3) erhöht.

Mit dem Verkauf der Unterhaltungssparte löst sich EM.TV endgültig von seinen Wurzeln: 1989 hatte sich der damals 37-jährige Unternehmer Thomas Haffa mit einem Paket von Trickfilmrechten aus dem Portfolio des Medienmoguls Leo Kirch selbstständig gemacht. 1997 ging er mit EM.TV an die Börse für Risikokapital, den gerade gegründeten „Neuen Markt“ und machte das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit zu einem Synonym für die boomende New Economy. Mit seiner spektakulären Expansionsstrategie – 2000 kaufte Haffa dem Formel-1-Manager Bernie Ecclestone für mehr als drei Millionen Mark die Hälfte der Anteile an der Autorennserie ab – übernahm sich Haffa jedoch bald und steuerte EM.TV an den Rand der Insolvenz. Wegen „unrichtiger Darstellung der Unternehmensverhältnisse“ wurde er später vom Bundesgerichtshof zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der ehemalige Spiegel-Manager Werner E. Klatten übernahm das angeschlagene Medienunternehmen 2001. Heute verdient der Konzern sein Geld vor allem mit dem Sportsender DSF, dem Internet-Portal Sport 1 und den Sportproduktionsfirmen Plazamedia und Creation Club.

0 Kommentare

Neuester Kommentar