Wirtschaft : Bier-Fusion nach 600 Jahren Konkurrenz

Münchner Traditionsbrauerei Spaten-Franziskaner schluckt Löwenbräu / Bald weniger Biersorten

MÜNCHEN (dpa).Nach mehren Jahrhunderten Konkurrenz schließen sich die beiden Münchner Traditionsbrauereien Spaten-Franziskaner und Löwenbräu zusammen.Damit entsteht in der Bierhochburg ein neuer Brauereikonzern mit gut zwei Mill.Hektolitern Bierausstoß und 600 Mill.DM Umsatz.Das neue Unternehmen schließt zu der in München bislang führenden Braugruppe Paulaner-Hacker-Pschorr auf. Die Löwenbräu AG wird künftig eine 96-Prozent-Tochter des Spaten-Konzerns.Der bisherige indirekte Löwenbräu-Großaktionär, die Münchner Industriellenfamilie August von Finck, wird mit 27 Prozent an Spaten beteiligt sein, wurde am Freitag in München bekanntgegeben. Sowohl die vor 600 Jahren gegründete Spaten-Brauerei, als auch die 1383 gegründete Löwenbrau-Brauerei, werden bislang mehrheitlich von Unternehmerfamilien dominiert.Die Gabriel Sedlmayr Spaten-Franziskaner-Bräu KGaA liegt mehrheitlich in den Händen der Unternehmerfamilie Sedlmayr und steuerte in den vergangenen Jahren einen Expansionskurs.So stieg Spaten 1996 bei der Stuttgarter Dinckelacker Brauerei ein, weist seit Jahren Gewinne aus und zahlt Dividende. Die Löwenbräu AG gehört über die Dachgesellschaft Custodia Holding AG (München) fast vollständig der Unternehmerfamilie August von Finck.Löwenbräu schreibt seit Jahren hohe Verluste im Biergeschäft.Allein 1995/96 (30.September) betrug der Verlust knapp 20 Mill.DM bei einem Umsatz von 238 Mill.DM und einem Bierabsatz von 1,4 Mill.Hektolitern.Um die Fusion steuerfrei abzuwickeln, haben die Unternehmen ein mehrschichtiges Modell vereinbart.Es sieht unter anderem zum 30.September eine Bareinlage der Familie von Finck/Custodia über 160 Mill.DM bei Löwenbräu vor, um die Brauerei aufzuwerten. Löwenbräu-Aufsichtsratschef Hubert Mennacher sagte, die Fusion bedeute keinesfalls den Rückzug der Familie von Finck aus dem Münchner Brauereigeschäft.Eine andere Beteiligungshöhe an Spaten wäre bei diesem Modell nicht möglich gewesen.Dip>Münchner Traditionsbrauerei Spaten-Franziskaner schluckt Löwenbräu / Bald weniger Biersorten e Löwenbräu AG bleibe eine rechtlich eigenständige, börsennotierte Gesellschaft.An Spaten bleiben die Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank und die Bayerische Landesbank mit künftig je 17 Prozent beteiligt.Größter Gesellschafter bleibt die Familie Sedlmayr. Aus dem Zusammenschluß der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Brauereien seien Kosteneinsparungen in zweistelliger Millionenhöhe zu erwarten, sagte der persönlich haftende Spaten- Gesellschafter Jobst Kayser-Eichberg.Die bestehende Zusammenarbeit im Vertrieb soll auf die Abfüllung erweitert werden soll.Die Sortenvielfalt werde zurückgehen.Es sei angestrebt, daß die Gruppe in zwei Jahren mit Gewinn arbeitet.Die Fusion sei "ein wichtiger Schritt zur Konsolidierung der deutschen Brauereilandschaft." Der Zusammenschluß der Brau-Konzerne mit je 600 Beschäftigten wird auch zu einem Stellenabbau führen, der jedoch "sozialverträglich" erfolgen soll.Der neue Konzern einschließlich Dinckelacker wird jährlich etwa 3,5 Millionen Hektoliter Bier ausstoßen und einen Umsatz von gut 800 Mill.DM erreichen.Damit gehört der Konzern zu den zehn größten Brauereien Deutschlands.Kayser-Eichberg wird auch den Vorstandsvorsitz bei Löwenbräu übernehmen und damit den seit fünf Jahren amtierenden Vorstandsvorsitzenden Franz Leibenfrost ablösen.

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