Wirtschaft : Bier läuft schlecht bei Brau und Brunnen

Absatz sinkt, Verlust steigt/Unternehmenssitz künftig nur noch in Dortmund und nicht mehr in Berlin

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Dortmund/Berlin Der Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen hat im ersten Halbjahr 2004 starke Absatzeinbußen erlitten und rote Zahlen geschrieben. Der Bierabsatz sackte um 7,7 Prozent auf 3,5 Millionen Hektoliter ab. Die Oetker-Tochter erklärte den Rückgang am Freitag mit schlechterem Wetter und der Konsumflaute in Deutschland. Der Verlust vergrößerte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,7 Millionen Euro auf 3,8 Millionen Euro. Dabei berücksichtigt ist ein Gewinn aus dem Verkauf eigener Aktien in Höhe von 6,6 Millionen Euro.

Ebenfalls am Freitag befasste sich eine außerordentliche Hauptversammlung von Brau und Brunnen in Dortmund unter anderem mit einer Satzungsänderung. Danach soll der Unternehmenssitz künftig nur noch in Dortmund und nicht mehr in Dortmund und Berlin liegen. Begründet wird dies mit Kosten, die sich durch zwei Sitze ergeben, etwa parallele Eintragungen im Handelsregister.

Der Umsatz des Getränkekonzerns fiel im ersten Halbjahr um 8,9 Prozent auf 318,6 Millionen Euro. Bei Bier gingen die Erlöse um 8,1 Prozent auf 267,2 Millionen Euro zurück. Der Verlust lag in diesem Bereich bei 4,1 Millionen Euro. Bei den alkoholfreien Getränken (Vita Cola, Spreequell) brach der Absatz um 11,1 Prozent auf 1,9 Millionen Hektoliter ein. Der Umsatz schrumpfte um 12,6 Prozent auf 50,7 Millionen Euro. Immerhin gab es in dieser Sparte noch einen Gewinn von 400000 Euro. Ende Juni beschäftigte der Konzern rund 3050 Menschen.

Bei der außerordentlichen Hauptversammlung kündigte der Vorstand ferner an, nach der Zwangsabfindung von Kleinanlegern ehemalige Aktionäre jährlich zu einer Informationsveranstaltung einzuladen. Die Altaktionäre sollen bis 2007 „bei einer zünftigen Brotzeit und gutem Bier auf dem Laufenden gehalten werden“, sagte Vorstand Albert Christmann vor rund 200 Anteilseignern. Die Hauptversammlung war einberufen worden, um einen so genannten Squeeze-Out-Beschluss über die Zwangsabfindung der verbliebenen Kleinaktionäre herbeizuführen. Die Oetker-Gruppe will je Aktie 88,51 Euro zahlen, 2,13 Euro mehr als zunächst angekündigt. Über seine Tochter RB Brauholding GmbH hält Oetker mittlerweile rund 96,7 Prozent der Aktien von Brau und Brunnen. Aktionärsvertreter kritisierten die vorgeschlagene Abfindung als möglicherweise zu niedrig.

Zum Fortgang des Anfang August für den Dortmunder Konzern angekündigten Sanierungsprogramms äußerte sich der Vorstand nicht. Am 10. Dezember will sich der Aufsichtsrat mit dem Sparkonzept befassen. Inwiefern die Berliner Standorte des Konzerns in Weißensee (Schultheiss) und Neukölln (Berliner Kindl) betroffen sein werden, ist nicht absehbar. Die Oetker-Gruppe hatte den Konzern im Frühjahr mehrheitlich übernommen. Mit der Radeberger Gruppe (Radeberger, Schöfferhofer, Clausthaler) und Brau und Brunnen (Jever, Tucher, Brinkhoffs) ist Oetker der größte deutsche Bierbrauer. dpa/alf

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