Bieterwettstreit : EADS und Boeing kämpfen erneut um Auftrag für US-Tankflugzeug

Es geht um einen "Jahrhundertauftrag". 179 Tankflugzeuge will die US-Armee bestellen. EADS und Boeing wollen beide den Zuschlag - nicht zum ersten Mal.

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EADS würde der US-Luftwaffe gerne Tankflugzeuge verkaufen.
EADS würde der US-Luftwaffe gerne Tankflugzeuge verkaufen.Foto: dpa

Berlin - Europas großer Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat nicht viel zu verlieren. Trotzdem geht er selbstbewusst, fast aggressiv, in die dritte und wohl entscheidende Runde im Bieterrennen um den sogenannten „Jahrhundertauftrag“ der US Air Force. Am Freitagabend endete die Abgabefrist, bis zu der Unternehmen konkrete Angebote einreichen konnten. Darin müssen sie erklären, wie sie die vom Pentagon gestellten 372 Auflagen erfüllen wollen, um den Zuschlag für die Lieferung von 179 Tankflugzeugen zu erhalten.

EADS hatte schon am Donnerstag ein 8800 Seiten umfassendes Bewerbungsschreiben eingereicht, in der die laut Konzern „unübertroffenen Fähigkeiten der KC-45“ ausführlich beschrieben werden. Am Freitag folgte dann das 8000 Seiten starke Angebot des US-Konkurrenten Boeing, der mit einer umgebauten Version seines Großraumflugzeuges 767 ins Rennen geht. Der Auftrag hat ein Volumen von 35 Milliarden Dollar (27,8 Milliarden Euro). Bis zum 12. November will das Pentagon den Zuschlag erteilen.

Dann wäre der Bieterkampf nach der langen Zeit von sieben Jahren beendet. Schon 2003 schien Boeing den Zuschlag sicher zu haben, bis ein Untersuchungsausschuss ermittelte, dass es Mauscheleien bei der Vergabe gab. 2008 vergab das Pentagon den Auftrag dann an die EADS-Tochter Airbus. Boeing protestierte, machte Verfahrensfehler geltend. Mitten im Präsidentschaftswahlkampf wurde die Zusage annulliert. Die jetzige Ausschreibung ist der dritte Versuch, einen Teil der rund 500 altersschwachen US-Flugtanker auszutauschen. Insgesamt könnte der Zuschlag Aufträge für 100 Milliarden Dollar nach sich ziehen.

Um die zu ergattern, setzt EADS jetzt auf starken Patriotismus, richtete sogar eine Internetseite (www.kc45now.com) ein. Dort finden sich Videos von dem Flieger, unterlegt mit harten Gitarrenriffs: Heavy Metal für den KC-45, dazu auch jede Menge Stars und Stripes, die Flagge der USA.

Zwar gilt das Flugzeug, das auf einem zivilen Airbus A330 basiert, als leistungsfähiger als die Boeing-Variante, von der bisher lediglich Entwürfe existieren. Allerdings halten es die meisten Rüstungsexperten für ausgeschlossen, dass US-Politiker einen Auftrag in dieser Größenordnung an einen ausländischen Konzern vergeben. Im Herbst stehen Kongresswahlen an, da dürften sich weder Republikaner noch Demokraten angreifbar machen wollen.

Daher gibt sich EADS in den Staaten fast amerikanischer als der Rivale Boeing aus Seattle – und ist es in gewisser Weise auch: EADS kündigte an, die KC-45 am Standort in der Stadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama bauen zu wollen, was allein dort einige Tausende Arbeitsplätze schaffen dürfte. Zudem behauptet EADS, dass man auf die Dienste von 200 Zulieferern aus den USA zurückgreifen wolle. So sollen die Triebwerke nicht etwa von Rolls-Royce oder MTU aus Deutschland kommen, sondern von GE Aviation, einer Tochter von General Electric. Funk- und Navigationssysteme soll der Konzern Honeywell aus New Jersey liefern.

Fragt sich, ob Europa am Ende überhaupt noch profitieren würde, sollte der Auftrag wider Erwarten doch an EADS gehen. Dass sich die Bewerbung lohnt, daran hat man bei EADS trotzdem keinen Zweifel. Unter der Hand heißt es, dass man zwar nicht damit rechne, den KC-45-Auftrag zu gewinnen. Allerdings wolle man „guten Willen“ beweisen. Dann könnte man bei kleineren, aber ebenfalls sehr lukrativen Rüstungsaufträgen den Zuschlag erhalten, spekuliert man. EADS baut und verkauft über die Tochter Eurocopter auch Kampfhubschrauber.

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