Wirtschaft : Bilanz bei Bahn-Sparte war fehlerhaft

Berlin - Wenige Wochen vor dem Börsengang hat die Deutsche Bahn einen Fall von Bilanzfälschung bei ihrer Gütersparte Schenker eingeräumt. Durch „fehlerhafte Abrechnungen“ bei der belgischen Schenker NV habe es einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe gegeben, erklärte der Konzern am Freitag. Über den Verbleib der Summe müsse nun das Management in Belgien Erklärungen liefern, sagte eine Sprecherin. Die Belastungen seien aber bereits in den Zahlen für das erste Halbjahr enthalten, mit denen die Börsentochter DB Mobility Logistics Ende Oktober an die Börse soll. Zu ihr gehört Schenker.

Der Fall kommt für die Bahn zur Unzeit, bereitet sie doch derzeit die entscheidenden Präsentationen für den Aktienverkauf vor. Neben der Bilanzfälschung könnten die Sicherheitsprobleme mit den Achsen der ICE-3-Züge Anleger misstrauisch stimmen. Ein weiteres Risiko ist der schwelende Streit zwischen dem Bund und der EU-Kommission über unzulässige Beihilfen, die die Bahn von Berlin und Brandenburg bekommen haben soll.

„Der entstandene Schaden trifft in keiner Weise unsere Kunden, sondern ist ausschließlich ein DB/Schenker-interner Vorgang“, sagte Transportvorstand Norbert Bensel. Der auch für Belgien zuständige Schenker-Finanzchef Hugo Ruhmann übernehme die Verantwortung und werde das Unternehmen verlassen, hieß es. Ob man Anzeige erstatten werde, wollte die Bahn nicht sagen. Schenker NV macht mit 650 Beschäftigten 242 Millionen Euro Umsatz. Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte dieser Zeitung, ein solcher Fall kurz vor dem Börsengang sei „heikel“. Gleichwohl müsse man honorieren, dass sich die Bahn um Aufklärung bemühe. Sie sei gezwungen, alle Risiken im Börsenprospekt aufzulisten. „Darauf können sich Anleger berufen – sonst macht sich die Bahn angreifbar.“ brö

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