Wirtschaft : Bilanz der Spielwarenindustrie: Videospiele machen Branche zum Gewinner

pos

Der Videospiel-Boom hat im Jahr 2000 auf dem Spielwarenmarkt einen Aufwärtstrend ausgelöst. Besonders die Pokemon-Taschenmonster und die neue Spielkonsole "Playstation 2" von Sony hätten das Videospiel-Fieber der Kinder angeheizt, berichtete das Marktforschungsinstitut Intelect Eurotoys am Donnerstag in Nürnberg. Der Umsatz der Spielwarenbranche habe im vergangenen Jahr leicht zugelegt und die sechs Milliarden Mark-Grenze überschritten, hieß es im Vorfeld der Internationalen Spielwarenmesse. Trotz der starken Nachfrage in Deutschland nach "Playstation"-Konsolen musste Hersteller Sony am Donnerstag seine Gewinnerwartungen korrigieren. Der japanische Elektronikriese wird in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich nur halb so viel verdienen wie zunächst erwartet, gab die Konzernleitung in Tokio bekannt.

Die Besucher der 52. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Donnerstag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eröffnet wird, erwartet ein breites Angebot an Lizenz-Spielzeug. Besonders die Vermarktung von "Harry Potter"-Kostümen und -Spielen soll der Branche neue Umsatzrekorde bescheren. Etwa 600 Lizenzen für Figuren aus Film, Fernsehen und Büchern sind zurzeit in Deutschland vergeben, schätzt der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie. Sie machen zehn Prozent des Branchenumsatzes von sechs Milliarden Mark aus. "Lizenzen bergen aber auch ein immenses Risiko, weil die Firmen enorme Lizenzgebühren zahlen müssen und sich manch eine Figur als Flop entpuppt", sagte Geschäftsführerin Corinna Printzen.

Weiterhin boomt der Videospielbereich, auf den inzwischen mehr als 25 Prozent des Umsatzes entfallen. Die Einführung von "Playstation 2" und "Pokemon" haben im Jahr 2000 einen zweistelligen Zuwachs gebracht. Nintendo wird auf der Messe seinen "GameBoy Advance" vorstellen, der 16 Mal schneller ist als sein Vorgänger.

Trotz der großen Nachfrage nach "Playstation 2" musste der japanische Technologiekonzern Sony im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 einen um elf Prozent geringeren operativen Gewinn als im Vorjahresquartal ausweisen. Hintergrund sei eine verschlechterte Ertragslage bei der Tochter Aiwa, teilte der Konzern mit. Aufgrund der zusätzlich belastenden Yen-Stärke lag das Gewinnergebnis von 146,5 Milliarden Yen (umgerechnet 2,6 Milliarden Mark) noch über den Erwartungen der Analysten. Absolut gesehen habe der Umschwung der Währungskurse das Unternehmen rund 25,5 Milliarden Yen gekostet, hieß es. Auch der Reingewinn des Konzerns sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um 23 Prozent auf 72,24 Milliarden Yen gefallen, teilte Sony am Donnerstag nach Börsenschluss in Tokio mit. Für das Gesamtjahr wird nunmehr mit einem konsolidierten Nettogewinn von fünf Milliarden Yen (rund 87 Millionen Mark) gerechnet. Damit halbiert der Konzern seine noch im Oktober 2000 geäußerten Gewinnaussichten.

Neben Problemen mit hohen Verlusten bei der angeschlagenen Konzerntochter Aiwa trug auch die Spielkonsole "Playstation 2" zur Gewinnkorrektur bei, die trotz guter Verkaufszahlen mehr Verluste als geplant einfuhr. Grund dafür waren erneute Probleme mit Chiplieferungen. Sie führten dazu, dass Sony die "Playstation"-Produktion von zehn Millionen auf neun Millionen Einheiten herunter schrauben. Die Verluste der Spielesparte werden nach Sony-Angaben erst ab April 2001 in Gewinnzahlen umschlagen. Sonys Konkurrent Sega hatte bereits mitgeteilt, die Produktion seiner eigenen verlustbringenden "Dreamcast"-Konsole vom 1. April an komplett einzustellen. Stattdessen will sich das Unternehmen zukünftig auf die Herstellung von Spiele-Software konzentrieren. Die internetfähige Konsole "Dreamcast" war lange Zeit das technisch ausgereifteste Produkt am Markt, ließ sich jedoch von der umfangreicheren und besser vermarkteten "Playstation 2" den Rang ablaufen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben