Bilanz : Harry Potter verzaubert Amazon

Der Ansturm auf das letzte Harry-Potter-Buch hat beim weltgrößten Internet-Einzelhändler Amazon.com die Kassen klingeln lassen. Für den Aktienkurs ging es trotzdem abwärts - die Anleger hatten eine bessere Gewinnprognose erwartet.

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Gute Geschäfte für Amazon dank Harry Potter. -Foto: ddp

SeattleIm dritten Quartal vervierfachte sich der Gewinn auf 80 Millionen Dollar (56 Mio Euro), der Umsatz schoss um 41 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar hoch. Außerdem trugen vorteilhafte Wechselkurse und der Ausbau von Online-Shops anderer Einzelhändler unter dem Amazon-Dach zu den starken Zahlen bei, wie das US-Unternehmen nach Börsenschluss mitteilte. Die Börse zeigte sich jedoch von Amazons Gewinnprognosen für die nächsten Monate enttäuscht. Die Aktie fiel nachbörslich um zehn Prozent, nachdem sie zuvor in Erwartung der Zahlen um ebenfalls gut zehn Prozent gestiegen war.

Amazon.com verkaufte das im Juli erschienene Buch "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" im dritten Quartal insgesamt 2,5 Millionen Mal. In Deutschland sei das Buch bisher mehr als 500.000 Mal bei Amazon gekauft und vorbestellt worden, sagte Deutschlandchef Ralf Kleber. Darunter seien über 250.000 Vorbestellungen für die am Samstag erscheinende deutsche Ausgabe; damit ist das siebte Potter-Buch der bisher am meisten vorbestellte Einzeltitel.

Börse enttäuscht

Die Amazon.com-Aktien waren im regulären Handel angesichts der hochgesteckten Gewinnerwartungen und Hoffnungen auf Super-Prognosen für das Weihnachtsgeschäft von den Investoren um 10,4 Prozent auf 100,82 Dollar in die Höhe getrieben worden. Es war das erste Mal seit rund acht Jahren, dass der Kurs auf über 100 Dollar gestiegen war. Dann aber kam nach Vorlage der Quartalsergebnisse ein ebenso drastischer Kurseinbruch von rund zehn Prozent auf 90 Dollar. Die Anleger waren nach Darstellung von Wall-Street-Kennern über die Geschäftsprognosen des Branchenführers enttäuscht. Sie hätten den Eindruck gewonnen, dass das Wachstum der Gewinnmarge sich verlangsamen könnte.

Amazon.com hatte während der späten 90er Jahre wie viele Internetfirmen an der Wall Street einen beispiellosen Höhenflug erlebt, doch dann platzte die Internet-Spekulationsblase. Inzwischen hat sich der Aktienkurs gegenüber dem im Oktober 2006 verbuchten Zwölfmonatstief von 32,86 Dollar verdreifacht.

Amazon.com legte im dritten Quartal in den USA und Kanada beim Umsatz um 42 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar zu und auf seinen ausländischen Web-Sites in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und China um insgesamt 40 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Unter Ausklammerung von Wechselkursveränderungen betrug der Zuwachs im Ausland 33 Prozent.

Filme und Musik zum Herunterladen in Deutschland geplant

Der Neunmonatsumsatz erhöhte sich auf 9,2 (6,7) Milliarden Dollar. Amazon.com verdiente seit Jahresanfang 269 (93) Millionen Dollar oder 64 (22) Cent je Aktie. Im dritten Quartal erhöhte sich der Gewinn je Aktie auf 19 Cent von fünf Cent ein Jahr zuvor. Das Unternehmen erwartet für das Schlussquartal 2007 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft einen Umsatzanstieg auf 5,1 bis 5,45 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 221 bis 291 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr prognostizierte Amazon.com einen Umsatz von 14,26 bis 14,61 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 605 bis 675 Millionen Dollar.

Die deutsche Tochter Amazon.de will auch hierzulande Musik und Filme zum Herunterladen anbieten. Dass entsprechende US-Dienste auch in Deutschland eingeführt werden, sei "eine Frage des Wann und nicht des Ob", sagte Kleber. Über einen Zeitpunkt lasse sich allerdings noch nicht sprechen, unter anderem da die Infrastruktur für Film-Downloads in Deutschland noch nicht ausgereift sei. Auch ein Geschäftsmodell wie das amerikanische Amazon Prime, bei dem Kunden für einen Pauschalpreis von 79 Dollar ein Jahr lang uneingeschränkt ihre Bestellungen schnell geliefert bekommen, könnte bei deutschen Kunden sicher Interesse finden, sagte Kleber. (mit dpa)

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