Wirtschaft : Bilanzsaison 2000: Die Mineralölkonzerne geben den Ton an

lud/bbl/ari

In der europäischen Industrielandschaft geben die Mineralölkonzerne den Ton an. Mit der abgeschlossenen Bilanzsaison 2000 sind gleich drei von ihnen in der Top Ten von Europas größten börsennotierten Unternehmen vertreten. BP, Totalfina Elf und Royal Dutch belegen die Plätze zwei, drei und fünf in der Rangliste. Der anhaltend hohe Ölpreis lässt für 2000 einen ähnlichen Trend erwarten.

Die sechs unter den zehn umsatzstärksten Konzernen vertretenen deutschen Unternehmen haben sich im Vergleich zum Vorjahr zwar behaupten können. Doch fielen Volkswagen, Siemens, Allianz und Deutsche Bank zurück. Allein Daimler-Chrysler hat sich trotz Probleme an der Spitze behauptet.

Ein Großteil der führenden Unternehmen Europas hat mit der vergangenen Bilanzsaison eine gute Basis für die Zukunft geschaffen. Handelsblatt und Wallstreet Journal Europe haben einen Blick in die Geschäftsberichte geworfen und sie in der Rangliste "Europa 500" zusammengefasst. Von den 20-Top-Konzernen haben alle den Umsatz deutlich erhöhen und die Gewinne - abgesehen von einer Ausnahme - zwei-, bisweilen dreistellig steigern können. Ebenso verbesserten 18 von ihnen die auf das Eigenkapital bezogene Rendite in der Regel zweistellig. Rund drei Viertel der 500 stärksten Unternehmen haben 2000 höhere Gewinne eingefahren als im Vorjahr.

Schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass sich ein solcher Boom in diesem Jahr nicht wiederholen wird. Eine flaue Konjunktur und die schwächeren Umsätze erschweren es den europäischen Unternehmen, weiter zu wachsen - und das vor dem Hintergrund einer zusätzlichen Herausforderung: Mit der Ausgabe des Euro-Bargelds im Januar wird es 2002 endgültig einen für alle nach außen sichtbaren Euro-Wirtschaftsraum geben.

Starke Konkurrenz aus den USA

Viele der 500 stärksten Unternehmen müssen ihren Platz über die nationalen Grenzen hinweg jedoch erst noch festigen oder gar erobern. Allen drohen Preiskämpfe - und die Konkurrenz aus den USA.

Im ersten Quartal dieses Jahres hat sich das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum ebenso wie in der gesamten Europäischen Union (EU) nach ersten Schätzungen der EU-Statistikbehörde Eurostat von zuletzt 2,9 Prozent auf 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal abgeschwächt. Im Vergleich zum Vorquartal ist das Bruttoinlandsprodukt um jeweils 0,5 Prozent (0,6 Prozent) gestiegen. Trotz der nachlassenden Dynamik im Außenhandel wurde das Wachstum im ersten Quartal erneut maßgeblich durch den Außenbeitrag bestimmt. Zwar sind die Exporte im Vergleich zum Vorquartal kaum noch gestiegen. Die Einfuhren sind aber kräftig zurückgegangen, so dass sich der Außenbeitrag erhöht hat.

Enttäuschend fiel die Entwicklung des privaten Konsums und der Unternehmensinvestitionen aus. Die meisten Ökonomen hatten noch bis vor kurzem damit gerechnet, dass die zu Jahresbeginn in vielen Euro-Ländern in Kraft getretenen Steuererleichterungen in diesem Jahr die Rolle des Wachstumsmotors vom Außenhandel übernehmen würden. Doch die Zuwächse bei den privaten Konsumausgaben haben sich im Vergleich zum Vorjahresquartal zuletzt abgeschwächt.

Auch der Start in das zweite Quartal verläuft für den Euro-Raum unerfreulich. In ihrer größten Volkswirtschaft, Deutschland, hat die Erzeugung des produzierenden Gewerbes im April erneut abgenommen. Der saisonbereinigte Rückgang zum Vormonat fiel mit 0,9 Prozent zwar weniger stark aus als im März, kam für die Bankvolkswirte aber unerwartet. Sie hatten zumindest mit einer Stabilisierung gerechnet. Der Rückgang zeigt, dass die Industrie auf die rückläufigen Auftragseingänge rasch mit einer Drosselung der Produktion reagiert.

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