Bildungsbericht : Immer mehr Jugendliche in "Warteschleifen"

Knapp 40 Prozent der Schulabgänger müssen vor einer Ausbildung zunächst eine "Warteschleife" in Berufsvorbereitungs-Kursen drehen. Dies zeigt der neue Bericht "Bildung in Deutschland" der Kultusministerkonferenz (KMK).

Berlin - Die KMK wil den Bericht am Freitag verabschieden. Hauptschüler haben demzufolge immer schlechtere Chancen auf einen qualifizierten Ausbildungsplatz. Nur noch knapp jede dritte Lehrstelle wird heute mit einem Hauptschüler besetzt. Sofort nach dem Schulabgang finden heute nur noch 43,3 Prozent der Jugendlichen einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Vor zehn Jahren waren es noch 51,2 Prozent. Parallel dazu ist der Anteil derjenigen gewachsen, die erst in Übergangsmaßnahmen gehen, wie etwa in Kurse der Bundesagentur für Arbeit oder in ein Berufsvorbereitungsjahr.

Als Gründe für die "rapide Ausweitung" dieser "Warteschleifen" führt der Bildungsbericht die "Krise des Ausbildungsmarktes" an - wie auch mögliche "Defizite der Schulen". Ende 2004 befanden sich laut Bericht rund 450.000 Jugendlichen in diesem immer größer werdenden "Übergangssystem" zwischen Schulzeit und Arbeitsleben.

Keine der in dem Bericht aufgelisteten "Warteschleifen" führt allerdings zu einem qualifizierten beruflichen Abschluss. "Für zwei Fünftel der Ausbildungsanfänger beginnt ihr Start ins Berufsleben mit Unsicherheit und ohne konkrete Berufsbildungsperspektive", heißt es weiter. Warnend heißt es, dies demotiviere die jungen Menschen und treibe sie in Resignation. Die Autoren: "Hier könnte ein wichtiges Arbeitskräftepotenzial für die Zukunft verspielt und sozialer Ausgrenzung Vorschub geleistet werden."

Die zunehmenden Schwierigkeiten für Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf sind in Deutschland regional unterschiedlich ausgeprägt. Der Bericht spricht von einem "Nord-Süd-Gefälle". Während in Bayern nur 26 Prozent der Jugendlichen nach der Schule zunächst in Übergangsmaßnahmen landen, sind es in Nordrhein-Westfalen 47 Prozent.

Bundesweit wird heute mehr als jeder zweite Hauptschüler trotz Abschluss zunächst in eine solche Übergangsmaßnahme geschickt. Aus Sicht der Autoren wird damit "eine der großen Stärken des dualen Systems" in Frage gestellt, "gerade Kinder aus bildungsschwächeren Gruppen durch Ausbildung beruflich zu integrieren". Die Probleme des Ausbildungsmarktes machen inzwischen aber auch vor Realschülern nicht Halt. Jeder vierte Realschüler startet seine Berufslaufbahn zunächst in einer solchen Übergangsmaßnahme.

Problematisch ist die Situation beim Übergang von der Schule in den Beruf vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Im Wettbewerb um einen Ausbildungsplatz müssten sie in der Regel "deutlich bessere schulische Vorleistungen erbringen" als gleichaltrige Deutsche. Auch sind die 20- bis 26-jährigen jungen Erwachsenen aus Zuwandererfamilien weitaus häufiger ohne Ausbildung oder arbeitslos, heißt es in dem Bericht. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben