Wirtschaft : Bilfinger + Berger: Der Konzern trotzt der Baukrise

Der Baukonzern Bilfinger + Berger strebt 2001 erneut ein kräftiges Gewinnplus an und will beim Umsatz der rückläufigen Bauwirtschaft trotzen. Der operative Ertrag des Vorjahres von 19 Millionen Mark solle in diesem Jahr ungefähr verdoppelt werden, sagte Finanzvorstand Jürgen Schneider. Zudem solle die defizitäre inländische Bausparte wieder in die Gewinnzone geführt werden. Beim Umsatz will Bilfinger nach den Worten von Vorstandschef Herbert Bodner ungeachtet der konjunkturellen Schieflage der Baubranche die Trendwende schaffen und mit 8,8 Milliarden Mark ein leichtes Plus erzielen. "Wir wollen zurück auf Wachstumskurs". Bereits bis Ende April sei ein Leistungszuwachs von zwei Prozent verbucht worden.

Nach der teilweise durch einen Sondereffekt erzielten Verdoppelung des Jahresüberschusses auf 83 Millionen Mark im Jahr 2000 solle diese Ertragsziffer 2001 auf einen mindestens dreistelligen Millionenwert steigen, erläuterte Bodner. Künftig sollten die Investitionen verstärkt in die Firmenbereiche gelenkt werden, die ihre Kapitalkosten auch erwirtschafteten. Bereits in den ersten Monaten habe sich das saisonbedingt noch negative Ergebnis deutlich verbessert, sagte Schneider. Die defizitäre Sparte Bauen Inland solle im laufenden Jahr beim operativen Ergebnis wieder in die Gewinnzone zurückgebracht werden. Im Vorjahr war das Inlandsgeschäft mit einem Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von 31 Millionen Mark als einziger Konzernbereich in den roten Zahlen verblieben.

Bei der Bauleistung, die in den ersten vier Monaten des Jahres im Ausland leicht zunahm, im Inlandsgeschäft aber stagnierte, rechne er nach den Rückgängen der Vorjahre mit einem leichten Plus in beiden genannten Sparten. Der Umsatzanteil des schneller wachsenden Auslandsgeschäfts solle dabei um rund drei Prozentpunkte auf etwa 61 Prozent zunehmen. Auch der kleinere Konzernbereich Entwickeln und Betreiben solle aus eigenem Antrieb einen deutlichen Zuwachs erzielen, die Umwelttechnik werde wohl nicht zulegen können.

Zuversicht schöpft Bodner trotz der pessimistischen Konjunkturaussichten der Branche auch aus den Auftragsbüchern des Konzerns. So habe der Auftragseingang in den ersten vier Monaten mit 3,25 Milliarden Mark deutlich über der Gesamtleistung von 2,7 Milliarden Mark gelegen. Im Vorjahresvergleich seien die Bestellungen zwar um zehn Prozent gefallen, dies sei jedoch vor allem auf den Großauftrag des Vorjahres in Taiwan zurückzuführen.

Ein Hauptziel bleibt die Übernahme der Mehrheit an dem Wetzlarer Heiztechnikspezialisten Buderus. Das Unternehmen hoffe dabei auf eine Einigung nach dem anstehenden Generationswechsel im Buderus-Vorstand, sagte Bodner. "Eine feindliche Übernahme ist nicht geplant." Bisher hält Bilfinger+Berger 28,5 Prozent der Buderus-Anteile. Falls keine Einigung erzielt werde, könne man den Buderus-Anteil mit einem derzeitigen Börsenwert von etwa einer Milliarde Mark aber auch auch "versilbern", sagte Schneider.

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