Wirtschaft : Bilfinger Berger schreibt Deutschland ab

Baukonzern plant Zukäufe in den USA und in Polen

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Berlin (msh). Der zweitgrößte deutsche Baukonzern Bilfinger Berger will das inländische Baugeschäft im laufenden Jahr noch stärker zurückfahren. Stattdessen will Vorstandschef Herbert Bodner die Bauleistung im Ausland erhöhen und die Dienstleistungssparte stärken. „Das internationale Wachstum unserer Aktivitäten, sowohl aus eigener Kraft als auch durch Zukäufe, bleibt das Ziel“, sagte Bodner am Dienstag bei Vorlage der Bilanz. Dazu wolle er den Millionenerlös aus dem Verkauf der Anteile am Heizungsbauer Buderus nutzen.

Hintergrund dieser Strategie ist die anhaltende Krise der deutschen Bauwirtschaft. Seit Mitte der 90er Jahre sinkt hier die Nachfrage nach Bauleistungen. Nur Bauunternehmen, die eine starke Position im Ausland aufbauen konnten oder in neue Geschäftsfelder expandierten, konnten diese Situation einigermaßen unbeschadet meistern. Bilfinger Berger steigerte im vergangenen Jahr die Konzernleistung von 4,6 Milliarden auf 4,9 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern stieg um 15 Prozent auf 60 Millionen Euro.

Als Wachstumsmärkte für Bilfinger Berger nannte Bodner vor allem die USA und Polen. In beiden Ländern will Bodner Bauunternehmen kaufen, um die Marktposition Bilfingers zu stärken. Auch in der Golfregion will der Baukonzern, der dort seit Jahren nicht mehr aktiv war, sich künftig in Infrastrukturprojekten engagieren. Das klassische Baugeschäft im Inland soll dagegen 2003 nur noch 25 Prozent zur Konzernleistung beitragen – sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dem sollen auch „einige hundert“ Arbeitsplätze zum Opfer fallen.

Große Hoffnungen setzt Bodner auf das Geschäft mit baunahen Dienstleistungen. Die BilfingerTochtergesellschaften HSG (Gebäudemanagement), Reinhold & Mahla (Industriedienstleistungen) und Wolfferts (Gebäudetechnik) sollen 2003 rund ein Viertel zur Konzernleistung beitragen. Damit wäre die Sparte alleine für das geplante Wachstum der Konzernleistung auf 5,2 Milliarden Euro verantwortlich (Plus sechs Prozent). Das erste Quartal des Jahres zeige eine positive Tendenz, sagte Bodner, daher seien die Ziele realistisch.

Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigungen. Der Kurs der Bilfinger-Aktie stieg in einem positiven Markt um 1,24 Prozent auf 22,12 Euro.

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