Wirtschaft : Bilfinger Berger wird zum Dienstleister

Baukonzern baut Service-Sparte durch Zukäufe aus / Keine Ende der Bauflaute trotz Aufträgen durch die Flut

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Berlin (msh). Der Baukonzern Bilfinger Berger rechnet trotz der Flaute der Baubranche mit steigenden Gewinnen. Ohne Sondererträge werde der Jahresüberschuss im laufenden Jahr um 15 Prozent auf 60 Millionen Euro steigern, teilte Bilfinger Berger am Donnerstag mit. Durch den Verkauf von Aktien der Dresdner Bank nahm der Konzern im ersten Halbjahr 161 Millionen Euro ein. Der Umsatz wachse 2002 aber nur auf 4,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,6 Milliarden Euro), weil die zugekauften Dienstleister Reinhold & Mahler und HSG teilweise in die Bilanz einbezogen werden.

Bilfinger Berger stärkt mit Zukäufen seine Dienstleistungssparte, um unabhängiger vom in Deutschland schrumpfenden Baugeschäft zu werden. Zu Beginn des Jahres hatte Bilfinger das Gebäudetechnik-Unternehmen Wolfferts übernommen. Im August folgte die Akquisition der HSG vom insolventen Baukonzerns Philipp Holzmann. Im Kommenden Jahr will Bilfinger mit Gebäudemangement, der Wartung von Industrieanlagen und Haustechnik eine Milliarde Euro Umsatz machen und einen Gewinn von 40 Millionen Euro erwirtschaften. „Die Dienstleistungen werden zur Stabilisierung der Erträge beitragen, da langfristige Service-Verträge eine sichere Einnahmequelle sind“, sagt Christiane Nestroy, Bau-Analystin der Hypo-Vereinsbank.

Sorge bereitet weiter das rückläufige Baugeschäft in Deutschland. Die Bauleistung lag im ersten Halbjahr mit 737 Millionen Euro um acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach der Flutkatastrophe an der Elbe rechnet Bilfinger mit einer Belebung im Bereich des öffentlichen Baus. „Dort gibt es einen Lichtblick“, sagte Vorstandschef Herbert Bodner. Kurzfristig würden vor allem Reparaturen an der Infrastruktur eine Rolle spielen, erwartet Bodner. Längerfristig erhofft er sich Aufträge „durch gezielte Maßnahmen zur Flutvorbeugung“. Mit einer „ernsthaften Trendwende“ am Bau rechnet Bodner nicht. Bilfingers Inlandsgeschäft profitiert derzeit nur von Aufträgen aus Nachbarstaaten wie der Schweiz, die aber von Deutschland aus abgewickelt werden. Der Auftragseingang stieg um 27 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Das Geschäft im Ausland wird derzeit durch den starken Euro belastet. Die Bauleistung ging deshalb im ersten Halbjahr um ein Prozent auf 1,22 Milliarden Euro zurück. Der Auftragsbestand im Ausland sank um zehn Prozent auf 2,68 Milliarden Euro. Bilfinger hatte sich kürzlich aus dem Bieterverfahren für die US-Tochter von Holzmann, J.A. Jones zurückgezogen. Als Grund nannte der zweitgrößte deutsche Baukonzern den hohen Preis, den der Insolvenzverwalter forderte. „Das war eine sinnvolle Entscheidung des Managements. Der Preis war wohl im Verhältnis zur erwartenden Rentabilität zu hoch“, sagt Bau-Analystin Nestroy.

Die Börse nahm die Zahlen positiv auf. Der Kurs der Bilfinger-Aktie legte bis zum Nachmittag um 4,45 Prozent auf 22,99 Euro und hat sich damit innerhalb von drei Wochen um ein Drittel verbessert.

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