Bilfinger-Chef gibt auf : Roland Koch und der brutalstmögliche Abgang

Roland Koch verlässt den Baukonzern Bilfinger. Das zeigt: Der menschliche Faktor kann vieles über den Haufen werfen. Was Kochs Abgang über die Kompetenz von Politikern aussagt. Ein Kommentar.

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Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch war seit 2010 Vorstandschef des Konzerns Bilfinger. Foto: dpa
Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch war seit 2010 Vorstandschef des Konzerns Bilfinger.Foto: dpa

Brutalstmöglich wollte Roland Koch einst die Schmiergeldaffäre um seinen hessischen CDU- Parteifreund Franz-Josef Jung aufklären. Lange ist das her und die ganze Härte und Konsequenz, die in diesem Wort steckt, hat den Politiker Roland Koch immer geprägt: Ein Mann von eiserner Härte und konservativsten Werten, unnahbar und unnachgiebig. Das haben die Menschen in ihm gesehen. Respekt, ja, den gab es, als er vor vier Jahren der Politik den Rücken kehrte. Wehmut und Abschiedsschmerz weniger.

Nun geht Koch wieder von Bord. Wieder hat er konsequent und kompromisslos einen Kurs gesetzt und an seiner Umsetzung gearbeitet – diesmal den Umbau eines Unternehmenstankers der deutschen Bauindustrie. Wieder ist er aus dem Amt geschieden. War er zermürbt zwischen den unterschiedlichen Renditeinteressen der verschiedenen Anteilseigner von Bilfinger? Hatte er die Unterstützung im Aufsichtsrat verloren, weil die Arbeitgeberbank zerstritten und die Arbeitnehmerbank wegen des Koch- Kurses vom brutalstmöglichen Stellenabbaues nicht mehr hinter ihm stand? Nur die Beteiligten selbst werden diese Frage letztlich beantworten können. Koch jedenfalls hat seinen Job zur Verfügung gestellt. Konsequent ist das auf jeden Fall.

Und was sagt uns der gescheiterte Ex-Politiker und Ex-Bilfinger-Manager Roland Koch über die Kompetenzen von Politikern in der Wirtschaft? Herzlich wenig. Die Führung eines großen Unternehmens verlangt wahrscheinlich von den Chefs ähnliche Persönlichkeitsstrukturen wie von Politikern, die Bundesländer oder ganze Staaten lenken. Man muss eine Vorstellung von seinen Zielen haben und trotzdem wissen, dass man noch so kompetent und kommunikativ sein kann: Der menschliche Faktor kann die prächtigsten Pläne über den Haufen werfen. Gute Politiker werden manchmal abgewählt, weil sie die Betroffenen nicht überzeugen und mitnehmen können. Und gute Manager müssen beinahe aus demselben Grund gehen. Roland Koch zumindest stand zwischen Arbeitnehmern, die im Strukturwandel ihres Unternehmens um ihre Jobs Angst hatten, und Aktionären, die ihre Rendite sehen wollten, zuletzt auf verlorenem Posten.

Warum gehen nur so wenige Politiker in die Wirtschaft?

Dass trotz der ähnlichen Jobbeschreibungen so wenige Politiker den Dienst am Land als abgegrenzten Zeitraum ihres Lebens sehen und nach einiger Zeit Herausforderungen an der Spitze von großen Unternehmen suchen, ist erstaunlich. Vielleicht stimmt es ja, wenn die Betroffenen von einer Art Droge berichten, die die Politik sei. Eine Droge, die einen nicht loslässt. Der ehemalige CDU-Politiker Roland Koch jedenfalls ist in den vergangenen Jahrzehnten einer von ganz wenigen seiner Herkunft gewesen, der diesen Schritt gegangen ist und an die Spitze eines großen Unternehmens getreten ist. Nicht im Sessel eines Beraters oder Aufsichtsrates, sondern an der Spitze des Vorstandes. Dort, wo der harte Wind weht und das Risiko besonders groß ist.

Vielleicht ist es das, was man lernen könnte aus dem Abschied des Roland Koch: Wenn einer scheitert – ob nun in der Politik oder in der Wirtschaft –, dann kann das etwas mit fehlender Begabung, Eignung, fehlender Kompetenz oder charakterlicher Schwäche zu tun haben. Muss es aber nicht. Manchmal sind es einfach die Umstände. Weshalb man jedem auch eine neue Chance zugestehen soll.

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