Wirtschaft : Bilfinger & Berger überzeugt Analysten

mym/HB

Die drei großen deutschen Baukonzerne Hochtief, Bilfinger & Berger und Philipp Holzmann haben unter der schlechten Baukonjunktur der vergangenen Jahre gelitten. Dennoch hat sich der Aktienkurs von Bilfinger & Berger seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Das Unternehmen gilt mittlerweile bei Analysten im Vergleich zum einstigen Branchenprimus Hochtief als flexibler und besser für die Zukunft gerüstet. UBS Warburg, ABN Amro und die HypoVereinsbank empfehlen die Aktie zum Kauf. Sie sehen noch Spielraum nach oben.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres steigerte Bilfinger die Bauleistung und den Auftragsbestand um zwei Prozent. Die Mannheimer rechnen in diesem Jahr mit einem Gewinn von 50 Millionen Euro. Alle deutschen Baukonzerne leiden unter der schwachen Nachfrage hier zu Lande. Besonders schlimm traf es den Holzmann-Konzern, der nur knapp an der Pleite vorbeischrammte. Auch Bilfinger & Berger und Hochtief mussten Einbußen verkraften und Mitarbeiter entlassen.

"Ich glaube aber schon, dass Bilfinger in diesem Jahr den Break Even erreicht", sagt Analystin Christiane Nestroy von der HypoVereinsbank über die Sparte "Bauen Inland". Denn im Vergleich zu Hochtief habe Bilfinger einen Vorsprung bei der Neuordnung der Organisationsstruktur. Über die Hälfte des Geschäftes macht der Konzern ohnehin im Ausland. Analyst Ingbert Faust von ABN Amro bewertet vor allem das Geschäft der Bilfinger-Tochter in Nigeria als profitabel. Als Pluspunkt gilt bei Bilfinger & Berger die Sparte "Entwickeln und Betreiben", auch BOT (Build Operate Transfer) genannt. Die Idee: Der Baukonzern erstellt ein Gebäude und betreibt es dann für einige Jahre. Hier glänzte Bilfinger in den ersten neun Monaten 2001 mit einem Plus von 72 Prozent. "Die Aussichten in diesem Geschäftsfeld sind sehr gut", sagt Analyst Henke. Ein BOT-Projekt von Bilfinger ist etwa die britische Botschaft in Berlin. Interessant sind auch die Beteiligungen von Bilfinger & Berger. Das Unternehmen hat seinen Dresdner-Bank-Anteil an die Allianz verkauft und rechnet daher im Januar mit einem Zufluss von 262 Millionen Euro. Was mit dem Anteil am Heizungsbauer Buderus passiert, ist noch unklar. "Würde Buderus verkauft werden, gäbe das der Aktie sicher noch einen Auftrieb", sagt Christiane Nestroy.

Die Neun-Monats-Zahlen von Hochtief sahen hingegen alles andere als rosig aus. Das Betriebsergebnis verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr um 73 Millionen Euro auf minus 12,8 Millionen Euro. Vor allem der Hochbau im Inland muss ein dickes Minus verschmerzen. Mit der Aktie ging es seit März 2001 bergab. "Die Neun-Monats-Ergebnisse von Hochtief waren noch schlechter, als wir erwartet hatten", sagt Henke. "Ein schneller Turnaround in der Sparte Inlandsbau ist noch nicht in Sicht."

Die Krise der Luftfahrt nach den Terroranschlägen hat die Essener besonders getroffen, weil sie mehrere Flughäfen, so den neuen Athener Airport, bauen und betreiben. Der 11. September sei nicht das einzige Problem, sagt Analyst Faust. Unklar sei auch, wann und wie der Berliner Flughafen Schönefeld ausgebaut werde - ein wichtiges Großprojekt für Hochtief. Das Unternehmen hat die Restrukturierung in Angriff genommen und 1700 Arbeitsplätze abgebaut. Doch Analyst Henke bleibt vorsichtig: "Das ist ein sehr komplexer und kontinuierlicher Prozess, der seine Zeit braucht." Der Baukonzern Holzmann spielt für die meisten Analysten keine Rolle mehr, da sich kaum noch Investoren für die Aktie interessieren. Holzmann habe die schwere Krise noch nicht überwunden, heißt es bei Independent Research. Bei der Partnersuche kommt der Konzern auch nicht weiter. In der Folge fehlt dem Unternehmen immer noch ein neuer Vorstandschef. Konrad Hinrichs wechselt zum 1. Februar an die Spitze des Aufsichtsrates.

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