Wirtschaft : Bill Gates ist den Richtern voraus (Glosse)

Antje Sirleschtov

Eigentlich haben es alle Verbraucher schon insgeheim geahnt. Die Hersteller des Betriebssystems Windows müssen so etwas wie eine Monopolstellung haben. Nahezu überall, wo moderne Textverarbeitung stattfindet, stellt die Erfindung von Bill Gates die Grundlage dar. Wer nicht mit Windows arbeitet, gilt beinahe schon als Außenseiter. Auch die Preisgestaltung des Werkzeuges weist darauf hin, dass Microsoft eine mehr als herausragende Stellung im Wettbewerb hat: Weil es den Verbrauchern um Kompatibilität geht und es an Alternativen fehlt, hält Microsoft die Preise hoch.

Nun haben sich die amerikanischen Richter im Kartellprozess um das vermeintliche Monopol festgelegt. Sie haben offiziell erkannt, dass Bill Gates seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt und Wettbewerbern den Marktzugang erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht.

Doch was ist mit dieser Feststellung gewonnen? In erster Linie ging es in dem bereits seit Jahren schwelenden Rechtsstreit um die Glaubwürdigkeit von Kartellgesetzen in einer Zeit, wo herkömmliche Produkte wie Autos und Stahl nicht mehr zu den Zukunftsbranchen gehören. Den Klägern und Richtern lag daran, den Beweis anzutreten, dass sich auch moderne Märkte und Hersteller eines Produktes, das sich sehr schnell verändert und in riesiger Geschwindigkeit in allen Teilen der Welt verkauft werden kann, den Prinzipien der Wettbewerbsgleichheit unterziehen müssen. Dies allein festzustellen ist den Beteiligten gelungen.

Ob das Bill Gates und sein Microsoft-Imperium in den Grundfesten erschüttern wird, ist allerdings zu bezweifeln. Längst haben auch die Microsoft-Lenker erkannt, dass die Zukunft ihres Geschäftes nicht mehr in der Weiterentwicklung von Windows liegen kann. Sie sondieren neue - multimediale - Märkte und schaffen sich darin neue Standbeine. Die US-Richter können Gates jetzt zwar für sein Windows-Monopol abstrafen. Allein, sie kommen zu spät.

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