Wirtschaft : Bill Gates schneidet Microsoft-Konzern auf Kundenbedürfnisse zu

REDMOND / MÜNCHEN (rtr).Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft Corp.wird komplett reorganisiert.Künftig wird das Unternehmen aus Redmond (US-Bundesstaat Washington) in vier Geschäftssparten aufgeteilt, die sich nicht mehr an den Produkten, sondern an den Kunden-Typen orientieren.Das berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg am Montag und berief sich dabei auf den Analysten Rob Enderle von der Beratungsfirma Giga Information Group.

Microsoft-Chef Bill Gates ordnet mit der Restrukturierung gleichzeitig die Führungsspitze seines Unternehmens neu: Brad Chase und Jon DeVaan leiten künftig die neue Verbraucher-Gruppe, Jim Allchin ist für das Geschäft mit großen Unternehmen verantwortlich, Paul Maritz leitet die Softwareentwickler-Sparte, und Bob Muglia steht der neuen Abteilung für "Knowledge Worker" vor, die sich um Heim-Anwender und Telearbeiter kümmern wird.Die Mitglieder der neuen Microsoft-Führung haben - bis auf DeVaan - alle im Washingtoner Kartellverfahren gegen Microsoft als Zeugen ausgesagt.

"Das ist die größte Reorganisation, die ich jemals bei Microsoft beobachtet habe", sagte Giga-Analyst Enderle."Sie haben bislang Produkte aus der Sicht der Entwickler geschaffen und sich nicht unbedingt an den tatsächlichen Bedürfnissen der Anwender orientiert.Das ist nun ein Versuch, diesen Fehler aus der Welt zu schaffen." Weite Teile der Reorganisation gehen nach Ansicht von Experten auf Steve Ballmer zurück, der seit Juli 1998 als Präsident der Microsoft Corp.die Tagesgeschäfte des Konzerns führt.

Für den heutigen Dienstag werden in dem Kartell-Verfahren in Washington weitere Gespräche für einen möglichen Vergleich zwischen Microsoft und den Justizbehörden erwartet.Die Anklageseite im Kartellverfahren gegen Microsoft will dem Software-Riesen bei den bevorstehenden Vergleichsverhandlungen offenbar vorschlagen, die Kontrolle über die Windows-Betriebssysteme teilweise abzugeben.Als eine Möglichkeit werde eine Versteigerung von Lizenzrechten gesehen, verlautete am Sonntag abend aus Kreisen, die mit dem Fall vertraut sind.Denkbar sei auch, daß Microsoft den Quellcode seiner Betriebssysteme zumindest teilweise offenlegen müsse.Ziel sei es, das Windows-Monopol aufzubrechen, hieß es.Als Möglichkeit werde auch gesehen, daß Microsoft seine Urheberrechte an Windows 95, Windows 98 und Windows 2000 an zwei oder drei Unternehmen verkaufen müsse, hieß es weiter.Microsoft behalte das Recht, seine eigenen Versionen der Betriebssysteme zu vermarkten und zu entwickeln.Die Microsoft-Aktionäre sollten dafür eine "vernünftige Entschädigung" erhalten.Weder das Justizministerium noch Microsoft wollten dazu am Montag allerdings eine offizielle Erklärung abgeben.

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