Wirtschaft : Billig fliegen wird teurer

Ryanair hebt die Ticketpreise an – die Iren und Air Berlin melden steigende Passagierzahlen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main/Berlin - Der irische Billigflieger Ryanair wirbt zwar weiter mit den angeblich niedrigsten Flugpreisen in Europa. Die Passagiere mussten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 allerdings auch bei den Iren wieder deutlich mehr auf den Tisch legen. Im Schnitt kostet ein Ticket bei Ryanair jetzt pro Strecke 44 Euro und damit drei Euro mehr als im vergangenen Jahr. Darin sind, so Ryanair-Managerin Tracey McCann am Dienstag in Frankfurt, alle Gebühren und Steuern enthalten. Ob und wie sich die Preise im laufenden Geschäftsjahr verändern, ließ sie offen. Aufgrund des härteren Wettbewerbs und höherer Flughafengebühren rechnet Ryanair nur mit einem bescheidenen Gewinnzuwachs von fünf Prozent, was möglicherweise auch auf wieder sinkende Ticketpreise hindeutet. Der Aktienkurs fiel daraufhin zeitweise um mehr als sieben Prozent.

Die Iren führen den Preisanstieg unter anderem auf höhere Tarife der Wettbewerber und die Gebühren für Gepäck zurück. 60 Prozent der Ryanair-Passagiere fliegen mit Koffern oder Taschen, die sie aufgeben. Pro Strecke und Gepäck sind bei Voranmeldung sechs Euro zu zahlen, am Flughafen zwölf Euro. 15 Kilo sind frei, danach sind pro Kilo acht Euro fällig. Ryanair bietet gleichwohl nach Angaben von McCann weiter die niedrigsten Flugpreise. Sollte ein Passagier auf einer Strecke, die Ryanair fliegt, ein günstigeres Angebot finden, erstatten die Iren das Doppelte der Preisdifferenz. Bisher habe es aber praktisch keine Forderungen gegeben, heißt es bei Ryanair.

Im vergangenen Jahr hat Ryanair die Zahl der Passagiere um 22 Prozent auf 42,5 Millionen gesteigert, der Umsatz kletterte um ein Drittel auf 2,24 Milliarden Euro, der Nettogewinn ebenfalls um ein Drittel auf gut 401 Millionen Euro. Damit verbuchte die Fluggesellschaft das 23. Rekordjahr in Folge. In diesem Jahr soll mit 133 Flugzeugen die Grenze von 50 Millionen Passagieren geknackt werden, mit 87 Millionen Fluggästen will Ryanair bis 2012 zur weltweit größten Fluglinie aufsteigen. Allerdings waren bei Ryanair im April nur 83 Prozent der angebotenen Sitzplätze ausgelastet – zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahresmonat.

Die großen Billigflieger befinden sich derzeit in einem harten Wettbewerb miteinander. Auch andere Anbieter verzeichneten im April eine schlechte Auslastung ihrer Maschinen. So registrierte der britische Konkurrent Easyjet einen Rückgang der Belegung um 3,3 Prozentpunkte, die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin einen Rückgang um 2,9 Punkte. Die Berliner Fluglinie meldete am Dienstag für den Mai aber wieder eine leichte Besserung der Sitzplatzbelegung, die mit 77,8 Prozent um 0,4 Punkte höher lag als im Vorjahresmonat. Mit 2,12 Millionen Menschen flogen 235 000 mehr als ein Jahr zuvor mit Air Berlin, wie das Unternehmen mitteilte. In den ersten fünf Monaten sei die Zahl der Fluggäste um 11,1 Prozent auf 7,97 Millionen gestiegen.

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