Wirtschaft : Billig heißt nicht unsicher

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Von Flora Wisdorff

Dass die europäischen Piloten die Diskussion ihrer Arbeitsstandards mit der Debatte über die Sicherheit beim Fliegen verbinden, ist ein kluger Schachzug: Schließlich fragen sich all die neuen Kunden von Billigfluggesellschaften, ob das Fliegen nicht unsicherer werden muss, wenn es billiger wird. Die Antwort – nach heutigem Stand der Erkenntnis: Nein, es ist nicht unsicherer. Die meisten Billigfluggesellschaften fliegen mit neuen Maschinen, sie absolvieren dieselben vorgeschriebenen Sicherheits-Tests und sie unterliegen denselben Kontrollen.

Der einzige Unterschied: Flugzeuge und Personal werden effizienter eingesetzt. Im Klartext heißt das, das beide mehr arbeiten müssen. Nun kann man mit Recht darüber diskutieren, wie viele Arbeitsstunden einem Piloten bekömmlich sind und wann die Arbeitszeit zu einem Sicherheitsrisiko wird. Die Beschwerde der Pilotenvereinigung bei der Europäischen Kommission aber hat ein anderes Motiv: Die Piloten wollen verhindern, dass auch ihnen neue Arbeitszeiten und andere Zugeständnisse abverlangt werden. Über Jahre hinweg haben die Piloten von den Staatsgesellschaften Lufthansa, Air France oder British Airways Tarifverträge aushandeln können, die ihnen hohe Gehälter beschert haben. Jetzt hat sich diese Situation geändert: die Billigflieger führen mehr Wettbewerb ein – und stellen auch die Privilegien der Piloten in Frage. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die etablierten Gesellschaften ihre Piloten um Mehrarbeit bitten werden. Schon jetzt gründen viele von ihnen eigene Billigfluggesellschaften – zu anderen Konditionen für die Beschäftigten.

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