Wirtschaft : Billige Pillen

Bei Internetapotheken gibt es viele Medikamente billiger als vor Ort. Ein Preisvergleich lohnt sich

Verena Friederike Hasel
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Man könnte einmal nach New York fliegen und zurück, stattdessen investiert man das Geld in den Kampf gegen Schnupfen, Husten, Heiserkeit. 450 Euro geben die Deutschen im Schnitt pro Jahr für Medikamente aus, dabei könnte es deutlich weniger sein – Internet und Generika sei Dank.

Unterscheiden muss man zwischen rezeptfreien und rezeptpflichtigen Medikamenten, beide werden auch im Internet gehandelt. Die verschreibungspflichtigen Arzneien – etwa Antibiotika – unterliegen der Preisbindung, viel Spielraum gibt es da also nicht. Für den Verbraucher ist das aber nicht sonderlich schlimm: Denn die Kosten für rezeptpflichtige Medikamente werden im Wesentlichen von den Kassen übernommen, allerdings müssen die Versicherten oft einige Euro zuzahlen.

Richtig sparen lässt sich hingegen bei den verschreibungsfreien Arzneimitteln wie Nasentropfen und Kopfschmerztabletten. Für diese muss man seit 2004 selbst zahlen, im Gegenzug ist die Preisbindung aufgehoben worden.

Die Preisunterschiede sind groß, einen Preisvergleich zwischen den Internetapotheken gibt’s auf der Website www.medipreis.de: So bietet die Internetapotheke Docmorris eine 100er-Packung Aspirin für etwa 10,50 Euro an – und ist damit deutlich billiger als die Apotheke um die Ecke. Docmorris gibt es aber nicht nur im Internet. In Berlin findet man neun Docmorris-Apotheken. Sie beruhen auf dem Franchise-Prinzip und werden von Apothekern geführt. Ebenso verhält es sich mit der Easyapotheke, einem anderen Internetanbieter, der inzwischen sechs Mal in Berlin vertreten ist.

Die Konkurrenz zeigt Wirkung: Inzwischen stellen auch viele herkömmliche Apotheken Sonderangebotsschilder vor ihre Türen. Und auch Drogerie-Discounter wollen mitmischen, allen voran dm. In 90 dm-Filialen in Nordrhein-Westfalen kann man Medikamente der Europa- Apotheek Venlo abholen, in den Berliner dm-Filialen ist das noch nicht möglich.

Schlecker und Rossmann beschränken sich bislang darauf, auf das Angebot von Internetapotheken aufmerksam zu machen, entweder durch Verweise auf ihrer Website oder durch Prospekte in den Läden. Damit wappnen sich die Konzerne für ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das im Sommer ansteht. Bislang dürfen nämlich nur Pharmazeuten Apotheken besitzen, man erwartet jedoch, dass der EuGH auch Kapitalgesellschaften als Inhaber zulassen wird. Auch die Post und die Supermarktkette Rewe sollen bereits in den Startlöchern stehen.

Aber auch bei rezeptpflichtigen Medikamenten kann man sparen, indem man sein Rezept an eine Internetapotheke schickt. So verlangt Docmorris nur die Hälfte der sonst üblichen Zuzahlung.Die Europa-Apotheek nimmt als Zuzahlung drei Prozent des Herstellerpreises, mindestens aber 2,50 Euro. Da man das Medikament bei Docmorris im Laden abholen kann (bei der Easyapotheke geht das übrigens nicht) und die Europa-Apotheek Medikamente kostenlos verschickt, kann man hier die Kosten wirklich drücken.

Bei anderen Internetanbietern muss man darauf achten, dass die Versandkosten nicht höher sind als die Einsparungen durch etwaige Preisnachlässe. Grundsätzlich gilt: Bei der Easyapotheke fallen für rezeptfreie Medikamente 3,95 Euro Versandkosten an. Ab einem Bestellwert über 75 Euro ist die Lieferung kostenfrei. Rezeptpflichtige Medikamente werden dagegen immer kostenlos geliefert. Docmorris dagegen verlangt für die Zusendung von rezeptfreien wie -pflichtigen Medikamenten 4,95 Euro. Umgehen kann man das, indem man entweder rezeptfreie Medikamente im Wert von über 40 Euro bestellt oder zwei Rezepte einreicht. Dann muss man nichts zahlen.

Doch auch bei der Apotheke um die Ecke kann man manchmal sparen, wenn es um die Zuzahlung für verschreibungspflichtige Mittel geht. Dafür sorgen Rabattverträge, die die Kassen mit Pharmaunternehmen geschlossen haben. Die Kassen legen fest, von welchem Konzern das Medikament ist, das der Kunde in der Apotheke ausgehändigt bekommt. Meist sind das Generika, preisgünstige Imitate von Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist. Diese Entscheidung kommt den Kunden zugute. So achten die meisten Kassen darauf, dass der Preis für die Medikamente in ihren Rabattverträgen unterhalb der Zuzahlung liegt - und damit entfällt sie für die Kunden komplett. Verena Friederike Hasel

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