Wirtschaft : Billiger verreisen

Euro verfehlt Rekordmarke nur knapp. Finanzminister warnen vor schwankendem Wechselkurs. Firmen können Belastung verkraften

Carsten Brönstrup

Den einen nützt der starke Euro, den anderen schadet er. Für die Verbraucher werden Reisen tendenziell billiger. Wer im Dollarraum Urlaub macht, bekommt mehr für sein Geld. Pauschaltouristen können aber vorerst nicht auf sinkende Preise hoffen – die ]Kataloge/ ] der Anbieter sind bereits gedruckt, erst in der nächsten Saison dürfte sich die Stärke der Währung bemerkbar machen. In den USA produzierte Waren müssten preiswerter werden – ob Einzelhändler die Differenz aber weiter geben, ist unklar. Ähnliches gilt für den Ölmarkt: Zwar wird der Rohstoff in Dollar gehandelt und müsste sich für Europa daher verbilligen. Die Preise bilden sich aber durch viele verschiedene Faktoren.

Unternehmen dürften das Erstarken des Euro direkter spüren. Sie können Rohstoffe und Vorprodukte aus dem Ausland preiswerter beziehen. Wie stark Exportunternehmen betroffen sind, hängt davon ab, wie gut sie sich gegen Kursschwankungen abgesichert haben. Ulrich Kater, Chefökonom der Deka-Bank, nimmt an, dass sich die meisten deutschen Firmen durch Finanzinstrumente für etwa drei Quartale der meisten Risiken entledigt haben. Wer nicht abgesichert ist, hat vor allem bei abrupten Kursschwankungen ein Problem, weil er mit der Anpassung der Preise nicht nachkommt. brö

Berlin - Der Euro hat am Freitag gegenüber dem Dollar weiter an Wert gewonnen und beinahe sein Allzeithoch von 1,3667 Dollar erreicht. Am Morgen stieg die Gemeinschaftswährung auf das Zweijahreshoch von 1,3603 Dollar, rutschte danach aber wieder ab. Ökonomen halten aber einen Wechselkurs von 1,40 Dollar und mehr für möglich. Der deutschen Wirtschaft schade das derzeit nicht.

Die Finanzminister der 13 Euro-Länder unterstrichen bei ihrem Treffen in Berlin aber, derzeit gebe es keinen Grund zur Beunruhigung. Sie warnten lediglich vor einem zu starken Schwanken des Eurokurses. „Der Euro-Außenkurs hat sich nicht brutal nach oben bewegt, er ist graduell angewachsen. Deshalb gibt es keinen Grund, in Panik auszubrechen“, sagte der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Spaniens Finanzminister Pedro Solbes warnte: „Unsere größte Sorge müssen übermäßig schwankende Wechselkurse sein.“

An den Beratungen nahm auch Jean-Claude Trichet teil, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Er mahnte internationale Kapitalanleger zur Vorsicht. „Die Devisenmärkte müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass es bei jeder Wette Risiken in beide Richtungen gibt“, sagte er. Übertriebene Kursausschläge seien nicht wünschenswert für das Wachstum.

Der Euro ist in den vergangenen Wochen nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber dem japanischen Yen und anderen Währungen erstarkt. Fachleute halten noch höhere Wechselkurse für möglich. „Die Marke von 1,40 Dollar könnte bald erreicht sein“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, dem Tagesspiegel. Ursache der Euro-Stärke sei die gute Konjunktur in Europa und die zugleich schwächelnde US-Wirtschaft. „Bis zum Jahresende werden die USA aber wieder den Anschluss schaffen, das wird auch dem Dollar nutzen“, glaubt er. Europa könne froh sein, jetzt den Euro zu haben – sonst wären die Probleme innerhalb des Kontinents viel größer, weil die deutsche Währung auf-, die italienische aber abwerten müsse.

Auch Reinhard Kudiß, Wirtschaftsexperte beim Industrieverband BDI, schließt einen Euro-Anstieg bis auf 1,40 Dollar nicht aus. Dies schade der deutschen Wirtschaft aber nicht – „dazu ist die Nachfrage nach deutschen Produkten derzeit zu stark“. Die Unternehmen hätten eher mit Kapazitätsengpässen als mit dem Wechselkurs zu kämpfen. Über die Wettbewerbsfähigkeit entscheide zudem nicht allein die Stärke der Währung. Der BDI erwarte, dass die deutschen Firmen 2007 zehn Prozent mehr Waren ins Ausland verkaufen – trotz der Euro-Stärke.

Neben dem Euro beschäftigte die Euro-Finanzminister in Berlin auch die Diskussion um spekulative Hedge-Fonds. Um hier mehr Transparenz zu erreichen, seien Banken und Investoren gefragt, heißt es in einem Zwischenbericht des Forums für Finanzstabilität, der am Rande des Treffens bekannt wurde. Kreditinstitute und Anleger sollten ihr Engagement bei der Finanzierung von Hedge-Fonds davon abhängig machen, wie gut deren Manager ihre Strategien und Risiken offenlegen, heißt es dort. Das Forum, das von Vertretern der Finanzministerien, Aufsichtsbehörden und Notenbanken der Industriestaaten getragen wird, legte sich aber auf keine konkreten Vorschläge zum Umgang mit den Fonds fest. Deutschland hofft, dass sich die Branche zumindest auf freiwillige Verhaltensregeln verständigt und will darüber auch beim G-8-Gipfel Anfang Juni reden.

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